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11. Kapitel
~Befragungen~

CNN brachte die Story direkt als aller erstes.
Ich war froh, dass es in den Nachrichten kam bevor ich zur Schule aufbrechen musste, ich konnte es nicht abwarten zu hören, wie die Menschen den Bericht formulieren würden, wie viel Aufmerksamkeit sie ihm schenkten. Glücklicherweise war der Tag voller Neuigkeiten. Es gab ein Erdbeben in Südamerika und eine politische Entführung im mittleren Osten. Die Nachricht bestand nur aus wenige Sekunden, ein paar Sätzen und einem körnigen Bild.
„Alonzo Calderas Wallace, wurde wegen mehrfacher Vergewaltigung und Mord in Texas und Oklahoma gesucht. Er wurde in den frühen Morgenstunden bewusstlos in der Nähe eines Polizeireviers gefunden. Im Moment ist noch nicht klar, ob man ihn nach Houston oder Oklahoma City überführen wird, damit er dort vor Gericht gestellt wird.“
Das Bild war unscharf, ein Fahndungsfoto, und zu der Zeit als das Foto aufgenommen wurde hatte er einen dichten Vollbart. Selbst wenn Bella den Bericht sah, würde sie ihn vermutlich nicht erkennen. Das hoffte ich jedenfalls; es würde sie nur unnötig aufregen.
„Die Untersuchungen hier in der Stadt werden nur sehr knapp ausfallen. Es ist zu weit entfernt um von lokalem Interesse zu sein,“ erkläre mir Alice. „Es war gut, dass Carlisle ihn aus dem Staat geschafft hat.“
Ich nickte. Bella schaute nicht viel Fern und ich hatte ihren Vater noch nie etwas anderes als Sportsendungen anschauen sehen.
Ich hatte getan, was ich konnte. Dieses Monster jagte nicht länger und ich war kein Mörder. Jedenfalls nicht kürzlich. Es war richtig gewesen Carlisle zu vertrauen, dennoch wünschte ich mir, das Monster wäre nicht so einfach davon gekommen. Ich erwischte mich bei der Hoffnung, dass er nach Texas ausgeliefert werden würde, wo die Todesstrafe immer noch in Kraft war…
Nein. Das war egal. Ich würde damit abschließen und mich auf wichtigere Dinge konzentrieren.
Ich hatte Bellas Zimmer vor nicht ganz einer Stunde verlassen und ich konnte es schon wieder kaum erwarten sie endlich wieder zu sehen.
„Alice, würde es dir etwas ausmachen…“
Sie unterbrach mich. „Rosalie wird uns fahren. Sie wird verärgert sein, aber du kannst dir sicher vorstellen, dass sie die Ausrede gern nutzen wird um ihren Wagen vorzuführen.“ Alice lachte glockenhell.
Ich grinste sie an. „Wir sehen uns dann in der Schule.“
Alice seufzte und mein Grinsen wurde zu einer Grimasse.
Ich weiß, ich weiß, dachte sie. Noch nicht. Ich warte bis du bereit dafür bist, dass Bella mich kennenlernt. Aber du solltest wissen, dass das nicht nur egoistisch von mir ist. Bella wird mich auch mögen.
Ich antwortete ihr nicht und eilte zur Tür hinaus. Das war ein ganz anderer Blickwinkel. Würde Bella Alice kennenlernen wollen? Einen Vampir zur Freundin haben wollen?
So wie ich Bella kannte… würde ihr diese Vorstellung vermutlich gar nichts ausmachen.
Ich runzelte die Stirn. Was Bella wollte und was das Beste für sie war, waren zwei sehr unterschiedliche Dinge.
Als ich meinen Wagen in Bellas Einfahrt parkte, begann ich mich unwohl zu fühlen. Ein menschliches Sprichwort besagt, dass die Dinge am nächsten Morgen ganz anders aussehen – dass die Dinge sich ändern, wenn man eine Nacht darüber geschlafen hat. Würde ich für Bella anders aussehen in dem blassen Licht eines nebeligen Morgens? Unheimlicher oder weniger unheimlich als in der Schwärze der Nacht? War die Wahrheit zu ihr durchgedrungen während sie geschlafen hatte? Würde sie letztlich doch Angst haben?
Ihre Träume waren friedlich gewesen letzte Nacht. Als sie immer und immer wieder meinen Namen genannt hatte, hatte sie gelächelt. Mehr als einmal hatte sie mich im Schlaf gebeten zu bleiben. Würde das heute nichts mehr bedeuten?
Ich wartete nervös und lauschte auf die Geräusche, die sie im Haus verursachte – die schnellen Schritte auf der Treppe, das Reißen einer Schutzfolie, die Inhalte des Kühlschranks die aneinander schlugen beim Schließen der Tür. Es hörte sich an, als hätte sie es eilig. Konnte sie es nicht erwarten zur Schule zu kommen? Der Gedanke brachte mich wieder hoffnungsvoll zum lächeln.
Ich warf einen Blick auf die Uhr. Es hatte den Anschein – wenn man bedachte dass ihr altersschwacher Truck in seiner Geschwindigkeit stark beeinträchtigt war – dass sie wirklich spät dran war.
Bella stürmte aus dem Haus und ihre Schultasche rutschte ihr von der Schulter, ihr Haar war nur lose zusammengebunden und der Zopf rutschte in ihrem Nacken bereits wieder heraus. Der dicke grüne Pullover verhinderte nicht, dass sie ihre schmalen Schultern in der Kälte des Nebels anzog.
Der lange Pulli war zu groß für sie, unförmig. Er verbarg ihre schlanke Figur und verwandelte all ihre zarten Kurven in eine unförmige Masse. Ich begrüßte diese Tatsache genauso wie ich mir gewünscht hätte, sie hätte etwas in der Art an, wie die blaue Bluse, die sie letzte Nacht getragen hatte… der Stoff hatte sich so sanft an ihre Haut angeschmiegt und war tief genug ausgeschnitten gewesen um ihre Schlüsselbeine, die sich von der kleinen Mulde unter ihrer Kehle abhoben, auf hypnotisierende Weise zu entblößen. Das Blau war wie Wasser um ihre zarte Figur geflossen…
Es war besser – unverzichtbar – dass sich meine Gedanken sehr weit von diesem Anblick entfernten, daher war ich dankbar dafür, dass sie diesen unförmigen Pullover trug. Ich konnte es mir nicht leisten Fehler zu machen und es wäre ein fataler Fehler diesem seltsamen Verlangen nachzugeben, das ihre Lippen… ihre Haut… ihr Körper… in mir entfachte. Ein Verlangen, dass seit Jahren aus mir gewichen war. Aber ich konnte mir nicht erlauben daran zu denken, sie zu berühren, das war unmöglich.
Ich würde sie zerbrechen.
Bella drehte der Haustür in einer solchen Eile den Rücken zu, dass sie beinahe an meinem Wagen vorbeigestürmt wäre ohne ihn überhaupt wahrzunehmen.
Ich stieg aus und gab mir keine Mühe darauf zu achten mich mit menschlicher Geschwindigkeit zu bewegen, als ich den Wagen umrundete und die Beifahrertür für sie öffnete. Ich würde nicht mehr versuchen sie zu täuschen – zumindest wenn wir allein waren würde ich Ichselbst sein.
Sie sah verwirrt zu mir auf, als ich aus dem Nichts aufzutauchen schien. Und dann verwandelte sich die Überraschung in ihrem Blick in etwas anderes und ich hatte keine Angst mehr – oder Hoffnung – dass ihre Gefühle für mich sich über Nacht geändert haben könnten. Wärme, Verwunderung, Faszination, all das schwamm in der geschmolzenen Schokolade ihrer Augen.
„Möchtest du heute mit mir fahren?“ fragte ich. Anders als bei dem Essen gestern Abend würde ich ihr die Wahl lassen. Von jetzt an würde sie immer eine Wahl haben.
„Ja, danke,“ murmelte sie und stieg ohne zu zögern ein.
Würde der Nervenkitzel jemals aufhören den ich empfand weil ich derjenige war, zu dem sie Ja sagte? Ich bezweifelte es.
Ich konnte es kaum erwarten wieder neben ihr zu sitzen, also raste ich um das Auto herum. Sie wirkte kein bisschen überrascht von meinem plötzlichen Auftauchen auf dem Fahrersitz neben ihr.
Das Glück dass ich empfand, jetzt da sie so neben mir saß, war vollkommen. So sehr ich die Liebe und Kameradschaft meiner Familie genoss, trotz der vielfältigen Unterhaltung und Ablenkung die die Welt zu bieten hatte, war ich noch nie so glücklich gewesen. Auch wenn ich wusste, dass es falsch war, dass es sehr wahrscheinlich kein gutes Ende nehmen würde, konnte ich das Lächeln nicht lange zurückhalten.
Meine Jacke hing über der Kopfstütze ihres Sitzes. Ich sah wie sie sie beäugte.
„Ich hab dir die Jacke mitgebracht,“ erklärte ich ihr. Das war meine Entschuldigung gewesen, für den Fall dass ich eine gebraucht hätte, um heute Morgen vor ihrer Tür zu stehen. Es war kalt. Sie hatte keine Jacke. Das war sicher eine akzeptable Kavaliersgeste. „ich wollte nicht, dass du dich erkältest oder so etwas.“
„So empfindlich bin ich nicht,“ sagte sie und starrte mehr auf meine Brust als auf mein Gesicht, als ob sie zögerte mir in die Augen zu sehen. Aber sie zog die Jacke an, bevor ich es ihr befehlen oder aufschwatzen musste.
„Bist du nicht?“ murmelte ich zu mir selbst.
Sie starrte auf die Straße während ich beschleunigte und Richtung Schule fuhr. Ich hielt die Stille nur wenige Sekunden aus. Ich musste wissen, was sie heute Morgen dachte. Es hatte sich so viel zwischen uns geändert seit die Sonne das letzte Mal aufgegangen war.
„Was denn, keine zwanzig Fragen heute?“ fragte ich und versuchte es wieder langsam anzugehen.
Sie lächelte und wirkte erleichtert darüber, dass ich das Thema angesprochen hatte. „Stören dich meine Fragen?“
„Nicht so sehr wie deine Reaktionen,“ gab ich ehrlich zu und erwiderte ihr Lächeln.
Sie verzog ihren Mund. „Sind meine Reaktionen schlecht?“
„Nein, das ist ja das Problem. Du nimmst alles so locker auf – es ist unnatürlich.“ Nicht ein Schrei bis jetzt. Wie konnte das sein? „Ich frag mich was du wirklich denkst.“ Diese Frage stellte ich mir natürlich bei allem was sie tat oder nicht tat.
„Ich sage dir immer, was ich wirklich denke.“
„Du behältst Dinge für dich.“
Sie biss sich wieder auf die Lippe. Sie schien es nicht zu bemerken, wenn sie das tat – es war wohl eine unbewusste Reaktion auf Anspannung. „Nicht viele.“
Diese wenigen Worte reichten aus um meine Neugierde zu steigern. Was enthielt sie mir bewusst vor?
„Genug um mich wahnsinnig zu machen,“ sagte ich.
Sie zögerte und flüsterte dann, „Du willst es gar nicht hören.“
Ich musste einen Augenblick nachdenken, ging unsere Unterhaltung der letzten Nacht Wort für Wort durch, bevor ich den Zusammenhang verstand. Vielleicht musste ich mich so sehr konzentrieren, weil ich mir nichts vorstellen konnte, dass ich sie nicht sagen hören wollte. Und dann – weil der Tonfall in ihrer Stimme der gleiche war wie letzt Nacht; plötzlich voller Schmerz – erinnerte ich mich. Ich hatte sie einmal gebeten ihre Gedanken nicht auszusprechen. Sag das niemals, hatte ich sie angeknurrt. Ich hatte sie zum Weinen gebracht…
War es das was sie vor mir verheimlichte? Die Tiefe ihrer Gefühle für mich? Dass es ihr nichts ausmachte, dass ich ein Monster war und dass es zu spät für sie war um ihre Meinung zu ändern?
Ich konnte nicht sprechen, denn die Freude und der Schmerz waren zu groß um sie in Worte zu fassen, der Kampf zwischen ihnen zu hart um eine angebrachte Antwort zuzulassen. Abgesehen von dem gleichmäßigen Rhythmus ihres Herzens und ihres Atems war es still im Auto.
„Wo ist der Rest deiner Familie?“ fragte sie plötzlich.
Ich atmete tief durch – registrierte den Duft im Wagen das erste mal mit heftigem Schmerz; ich bemerkte zufrieden, dass ich mich daran gewöhnte – und zwang mich dazu wieder lässig zu sein.
„Sie haben Rosalies Auto genommen.“ Ich parkte auf dem freien Platz neben dem in Frage kommenden Auto. Ich unterdrückte ein Lächeln als ich sah, wie sich ihre Augen weiteten. „Prahlerisch, nicht war?“
„Ähm, wow. Wenn sie so einen Wagen hat, warum fährt sie dann immer mit dir?“
Rosalie hätte Bellas Reaktion genossen… wenn sie Bella gegenüber objektiv gewesen wäre, was definitiv nicht der Fall war.
„Wie ich schon sagte, es ist prahlerisch. Wir versuchen nicht aufzufallen.“
„Das gelingt euch nicht,“ sagte sie mir und lachte erleichtert.
Ihr munteres vollkommen sorgloses Lachen erwärmte meine hohle Brust genauso wie es meinen Kopf vor Zweifel schwirren ließ.
„Also, warum ist Rosalie heute mit ihrem Wagen gefahren, wenn er so auffällig ist?“ fragte sie.
„Hast du es noch nicht bemerkt? Ich breche jetzt alle Regeln“
Meine Antwort sollte ein kleines bisschen beängstigend klingen – selbstverständlich lächelte Bella darüber.
Sie wartete nicht, bis ich ihr die Tür öffnete, genau wie letzte Nacht. Ich musste mich hier in der Schule normal verhalten – also konnte ich mich nicht schnell genug bewegen um das zu verhindern – aber sie würde sich daran gewöhnen müssen, mit mehr Zuvorkommenheit behandelt zu werden, und sie würde sich schnell daran gewöhnen müssen.
Ich ging so dicht neben ihr her, wie ich es mir erlaubte und achtete darauf, ob diese Nähe sie störte. Zweimal zuckte ihre Hand in meine Richtung doch dann zog sie sich schnell zurück. Es sah so aus, als wollte sie mich berühren… mein Atmen wurde schneller.
„Warum habt ihr überhaupt solche Autos? Wenn ihr nicht auffallen wollt?“ fragte sie während wir gingen.
„Eine Schwäche,“ gab ich zu. „Wir fahren alle gerne schnell.“
„Das passt,“ murmelte sie.
Sie sah nicht mehr auf und daher entging ihr mein antwortendes Grinsen.
Oh nein! Das glaub ich nicht! Wie zum Teufel hat Bella das angestellt? Ich kapiers nicht! Warum?
Jessicas mentaler Schock unterbrach meine Gedanken. Sie wartete unter dem Vordach der Cafeteria um sich vor dem Regen zu schützen, mit Bellas Winterjacke über dem Arm. Ihre Augen waren ungläubig aufgerissen.
Bella bemerkte sie einen Augenblick später. Ein helles Rot schoss in ihre Wangen, als sie den Ausdruck auf Jessicas Gesicht sah. Die Gedanken in Jessicas Kopf waren ziemlich deutlich in ihrem Gesicht zu lesen.
„Hey, Jessica. Danke, dass du daran gedacht hast,“ grüßte Bella sie. Sie streckte die Hand nach ihrer Jacke aus und Jessica reichte sie ihr wortlos.
Ich sollte höflich zu Bellas Freunden sein, egal ob sie gute Freunde waren oder nicht. „Guten Morgen, Jessica.“
Wow…
Jessicas Augen wurden noch größer. Es war seltsam und amüsant… und, ehrlichgesagt, ein bisschen peinlich… zu bemerken wie sehr die Nähe zu Bella mich verweichlicht hatte. Es sah so aus, als hätte niemand mehr Angst vor mir. Wenn Emmett das herausfände würde er mich das nächste Jahrhundert lang auslachen.
„Äh… hi,“ nuschelte Jessica und ihre Augen wanderten Bedeutungsschwanger zu Bella. „Ich denke, wir sehen uns dann in Mathe.“
Du wirst mir alles erzählen. Ich werde kein Nein akzeptieren. Details. Ich brauche Details! Edward scheiß CULLEN!! Das Leben ist so unfair.
Bellas Mundwinkel zuckten. „Ja, wir sehen uns dann.“
Jessicas Gedanken spielten verrückt während sie zu ihrem ersten Kurs rannte und uns hin und wieder verstohlene Blicke zuwarf.
Die ganze Geschichte. Ich akzeptiere nichts anderes. Hatten sie geplant sich gestern zu treffen? Treffen sie sich öfter? Wie lange schon? Wie konnte sie das geheim halten? Warum sollte sie das wollen? Es kann nichts lockeres sein – sie muss total verknallt in ihn sein. Gibt es eine andere Möglichkeit? Ich werde es heraus finden. Ich halt es nicht aus, es nicht zu wissen. Ich frage mich, ob sie zusammen sind? Oh, verdammt… Jessicas Gedanken drifteten plötzlich ab und wortlose Fantasien jagten durch ihren Kopf. Bei diesen Spekulationen zuckte ich zusammen und nicht nur weil sie in ihren Gedanken Bella durch sich selbst ersetze.
So konnte es niemals sein. Und dennoch… ich wollte es…
Ich wollte es mir selbst nicht eingestehen. Auf wie viele falsche Arten wollte ich Bella? Auf welche würde ich sie letztlich töten?
Ich schüttelte meinen Kopf und versuchte mich abzulenken.
„Was wirst du ihr erzählen?“ fragte ich Bella.
„Hey!“ flüsterte sie vorwurfsvoll. „Ich dachte du könntest meine Gedanken nicht lesen!“
„Kann ich auch nicht.“ Ich schaute sie verwundert an und versuchte den Sinn hinter ihren Worten zu verstehen. Ah – wir mussten zur selben Zeit dasselbe gedacht haben. Hmm… das gefiel mir. „Na jedenfalls,“ sagte ich ihr, „kann ich ihre lesen – sie wird dir in der Klasse auflauern.“
Bella stöhnte und ließ dann die Jacke von ihren Schultern gleiten. Ich bemerkte erst nicht, dass sie sie zurückgab – ich hätte nicht danach gefragt; mir wäre es lieber gewesen, sie würde sie behalten… ein Andenken – deshalb war ich zu langsam um ihr meine Hilfe anzubieten. Sie reichte mir meine Jacke und steckte ihre Arme durch ihre eigene ohne mich anzusehen, also bemerkte sie nicht, dass meine Hände ausgestreckt waren um ihre zu helfen. Ich runzelte die Stirn darüber und kontrollierte meinen Ausdruck schnell wieder bevor sie es bemerkte.
„Also, was wirst du ihr erzählen?“ fragte ich.
„Wie wäre es mit ein bisschen Hilfe? Was will sie denn wissen?“
Ich lächelte und schüttelte meinen Kopf. Ich wollte hören, was sie dachte ohne einen Hinweis. „Das ist nicht fair.“
Ihre Augen verengten sich. „Nein, dass du dein Wissen nicht teilst – das ist unfair.“
Richtig – sie mochte keine Doppelmoral.
Wir erreichten ihre Klassentür – wo ich sie verlassen musste; ich fragte mich ob Ms. Cope entgegenkommender war, was eine Änderung bzgl. meines Englischkurses anging… ich konzentrierte mich wieder. Ich konnte fair sein.
„Sie möchte wissen ob wir heimlich zusammen sind,“ sagte ich langsam. „Und sie möchte wissen, was du für mich empfindest.“
Sie riss die Augen auf – nicht verwundert sondern eher naiv. Ihre Augen waren offen für mich, lesbar. Sie spielte unschuldig.
„Hmm,“ murmelte sie. „Was soll ich ihr bloß sagen?“
„Hmmm.“ Sie versuchte immer mich dazu zu bringen, mehr preiszugeben, als sie es tat. Ich überlegte, wie ich ihr antworten könnte.
Eine lose Haarsträhne, leicht klamm vom Nebel, fiel ihr über die Schulter und kräuselte sich dort wo der alberne Pullover ihr Schlüsselbein versteckte. Sie fesselte meinen Blick… lenkte ihn auf die anderen versteckten Kurven…
Ich streckte vorsichtig meine Hand nach der Strähne aus, darauf bedacht, ihre Haut nicht zu berühren – der Morgen war kühl genug auch ohne meine Berührung – und wickelte sie zurück in den losen Haarknoten, damit sie mich nicht wieder ablenken konnte. Ich erinnerte mich daran, wie Mike Newton ihr Haar berührt hatte, und ich biss meine Zähne zusammen bei dem Gedanken. Sie war vor ihm zurückgezuckt. Ihre Reaktion jetzt war keineswegs die gleiche; stattdessen weiteten sich ihre Augen ein wenig, Blut schoss ihr ins Gesicht und ihr Herzschlag wurde unregelmäßig.
Ich versuchte mein Lächeln zu verbergen als ich ihre Frage beantwortete.
„Ich denke, die erste Frage könntest du mit Ja beantworten… wenn es dir nichts ausmacht…“ ihre Wahl, immer ihre Wahl, „… es wäre einfacher als jede anderen Erklärung.“
„Es macht mir nichts aus,“ flüsterte sie. Ihr Herz hatte seinen normalen Rhythmus noch nicht wiedergefunden.
„Und ihre andere Frage…“ Jetzt konnte ich mein Lächeln nicht mehr verbergen. „Also die Antwort auf diese Frage würde ich selbst gern hören.“
Darüber soll Bella erst mal nachdenken. Ich unterdrückte ein Lachen als ich den schockierten Ausdruck in ihrem Gesicht sah.
Ich drehte mich schnell um, bevor sie noch weitere Fragen stellen konnte. Es war schwer für mich ihr nicht alles zu geben was sie wollte. Und ich wollte ihre Gedanken hören, nicht meine.
„Wir sehen uns beim Mittagessen,“ rief ich ihr über die Schulter zu, eine Ausrede um zu sehen, ob sie mir immer noch hinterher starrte mit geweiteten Augen. Ihr Mund stand weit offen. Ich drehte mich wieder um und lachte.
Als ich davon schlenderte war ich mir der geschockten und spekulierenden Gedanken um mich herum kaum bewusst – die Blicke wechselten zwischen Bellas Gesicht und meiner sich entfernenden Figur. Ich schenkte ihnen keine Aufmerksamkeit. Ich konnte mich nicht konzentrieren. Es war schon schwer genug meine Füße in einer akzeptablen Geschwindigkeit zu bewegen, als ich den feuchten Rasen zu meinem nächsten Kurs überquerte. Ich wollte rennen – richtig rennen, so schnell, dass ich verschwinden würde, so schnell, dass es sich anfühlte als würde ich fliegen. Ein Teil von mir flog bereits.
Ich zog die Jacke an auf meinem Weg zum Unterricht und ließ mich von ihrem Duft einhüllen. Ich würde jetzt brennen – mich von dem Geruch desensibilisieren lassen – dann würde es später leichter zu ignorieren sein, wenn ich beim Mittagessen wieder mit ihr zusammen war…
Es war gut, dass die Lehrer keine Lust mehr hatten mich aufzurufen. Heute würden sie mich wohl unvorbereitet und ohne Antwort erwischen. Meine Gedanken waren heute Morgen ganz woanders; nur mein Körper saß im Klassenraum.
Natürlich beobachtete ich Bella. Das wurde langsam alltäglich – so automatisch wie Atmen. Ich hörte ihre Unterhaltung mit dem enttäuschten Mike Newton. Sie lenkte das Gespräch schnell auf Jessica und ich grinste so breit, dass Rob Sawyer, der rechts von mir saß, zusammenzuckte, tiefer in seinen Stuhl sank und sich von mir weglehnte.
Ugh. Unheimlich.
Also hatte ich es doch nicht ganz verloren.
Außerdem beobachtete ich Jessica, wie sie ihre Fragen an Bella formulierte. Ich konnte die vierte Stunde genauso wenig erwarten wie das neugierige menschliche Mädchen, das den neuesten Tratsch hören wollte.
Und ich belauschte auch Angela Weber.
Ich hatte die Dankbarkeit die ich ihr gegenüber empfand nicht vergessen – erstens weil sie nur Gutes über Bella dachte und zweitens für ihre Hilfe letzte Nacht. Also wartete ich den ganzen Morgen darauf, dass mir irgendetwas auffiel, das sie haben wollte. Ich dachte, es würde einfach werden; wie bei jedem normalen Menschen musste es irgendeinen Quatsch geben, den sie unbedingt haben wollte. Mehrere vermutlich. Ich würde irgendetwas anonym schicken und uns für quitt erklären.
Aber Angela erwies sich als genauso wenige entgegenkommend wie Bella mit ihren Gedanken. Sie war seltsam zufrieden für einen Teenager. Glücklich. Vielleicht war das der Grund für ihre unübliche Freundlichkeit – sie war eine der wenigen Menschen die hatten was sie wollten und wollten was sie hatten. Wenn sie mal nicht den Lehrern zuhörte und sich auf ihre Notizen konzentrierte, dann dachte sie an ihre kleinen Zwillingsbrüder, mit denen sie dieses Wochenende an den Strand fahren würde – malte sich aus wie viel Spaß sie haben würde mit einer fast elterlichen Zufriedenheit. Sie passte öfter mal auf sie auf, war aber nicht genervt davon… es war irgendwie süß.
Aber es half mir nicht wirklich weiter.
Es musste doch etwas geben, das sie sich wünschte. Ich würde nur weiter Ausschau halten müssen. Aber später. Jetzt war es Zeit für Bellas Mathestunde mit Jessica.
Ich achtete nicht darauf wo ich lang ging als ich mich auf den Weg zu meinem Englischkurs machte. Jessica saß bereits auf ihrem Platz und klapperte mit beiden Füßen unruhig auf dem Boden herum während sie darauf wartete, dass Bella endlich kam.
Sobald ich mich auf meinen Platz setzte wurde ich absolut ruhig. Ich musste mich daran erinnern mich hin und wieder zu bewegen. Um die Maskerade aufrecht zu erhalten. Es war schwer, da meine Gedanken so sehr auf die von Jessica konzentriert waren. Ich hoffte, dass sie sich wirklich Mühe geben würde, Bellas Gesicht für mich zu lesen.
Jessicas Fußklappern wurde schneller als Bella den Raum betrat.
Sie sieht… bedrückt aus. Warum? Vielleicht hat sie doch nichts mit Edward Cullen. Das wäre sicher eine Enttäuschung. Allerdings… wenn er immer noch zu haben ist… wenn er plötzlich Interesse an Verabredungen hat, würde ich ihm gern aushelfen…
Bellas Gesicht sah nicht bedrückt aus, eher wiederwillig. Sie war besorgt – sie wusste, dass ich alles hören würde, was sie jetzt sagte. Ich lächelte in mich hinein.
„Erzähl mir alles!“ verlangte Jessica als Bella noch damit beschäftigt war, ihre Jacke auszuziehen und über ihre Stuhllehne zu hängen. Sie bewegte sich bedächtig, unwillig.
Ugh, sie ist so langsam. Lass uns endlich zu den interessanten Themen kommen!
„Was möchtest du wissen?“ fragte Bella, als sie sich setzte.
„Was ist letzte Nacht passiert?“
„Er hat mich zum Essen eingeladen und dann nach Hause gefahren.“
Und dann? Komm schon, da muss doch noch mehr passiert sein! Sie lügt sowieso, das weiß ich. Ich werde sie darauf ansprechen.
„Wie bist du so schnell nach Hause gekommen?“
Ich sah wie Bella ihre Augen verdrehte.
„Er fährt wie ein Verrückter. Es war schrecklich.“
Sie lächelte leicht und ich lachte laut auf womit ich Mr. Masons Ausführungen unterbrach. Ich versuchte aus dem Lachen ein Husten werden zu lassen, aber ich konnte niemanden mehr täuschen. Mr. Mason warf mir einen irritierten Blick zu, aber ich kümmerte mich nicht um die Gedanken die dahinter steckten. Ich lauschte immer noch auf Jessica.
Hmm. Hört sich so an als ob sie die Wahrheit sagt. Warum lässt sie sich jedes Wort einzeln aus der Nase ziehen? An ihrer Stelle würde ich alles so laut ich könnte heraus posaunen.
„Ward ihr verabredet – hast du ihm gesagt, dass ihr euch dort treffen sollt?“
Jessica sah die Überraschung in Bellas Gesicht und war enttäuscht darüber dass sie echt war.
„Nein – ich war eher überrascht ihn dort zu sehen,“ erzählte Bella ihr.
Was geht ihr vor?? „Aber er hat dich heute zur Schule abgeholt?“ Da muss doch noch mehr dahinter stecken.
„Ja – das war auch eine Überraschung. Er hat mitbekommen, dass ich gestern keine Jacke hatte.“
Das ist ja nicht gerade spannend, dachte Jessica wieder enttäuscht.
Ihre Fragestellung ermüdete mich – ich wollte etwas hören, dass ich noch nicht wusste. Ich hoffte, dass sie nicht zu unzufrieden war und das Verhör beendete bevor sie die Fragen gestellt hatte, die mich wirklich interessierten.
„Also, seid ihr wieder verabredet?“ fragte Jessica.
„Er hat mir angeboten mich am Samstag nach Seattle zu fahren, weil er denkt, dass mein Truck die Strecke nicht schafft – zählt das?“
Hmm. Er scheint sich große Mühe zu geben um… naja, auf sie aufzupassen, irgendwie. Also muss da etwas von seiner Seite aus sein, wenn schon nicht von ihrer. Wie kann das sein? Bella ist verrückt.
„Ja,“ beantwortete Jessica Bellas Frage.
„Also dann,“ schloss Bella. „Ja.“
„Wow… Edward Cullen.“ Egal ob sie auf ihn steht oder nicht, dass ist schon was.
„Ich weiß,“ seufzte Bella.
Der Ton in ihrer Stimme ermutigte Jessica. Na endlich – hört sich so an, als hätte sie es begriffen! Sie muss doch merken…
„Warte!“ sagte Jessica und erinnerte sich plötzlich an die wichtigste aller Fragen. „Hat er dich geküsst?“ Bitte sag ja. Und dann beschreib jede Sekunde!
„Nein,“ murmelte Bella und dann sah sie auf ihre Hände und ihr Gesicht verfinsterte sich. „So ist es irgendwie nicht.“
Verdammt. Ich wünschte… Ha. Sieht so aus, als ob sie es sich auch wünschte.
Ich runzelte die Stirn. Bella sah wegen irgendetwas besorgt aus, aber es konnte nicht Enttäuschung sein, wie Jessica vermutete. Das konnte sie nicht wollen. Nicht bei dem was sie wusste. Sie konnte meinen Zähnen nicht so nahe kommen wollen. Demnach zu urteilen was sie wusste, hatte ich Reißzähne.
Ich schauderte.
„Glaubst du am Samstag…?“ stachelte Jessica.
Bella sah noch frustrierter aus, als sie sagte, „Das bezweifle ich.“
Ja, sie wünscht es sich. Es ärgert sie.
Lag es daran, dass ich all das durch Jessicas Perspektive beobachtete, dass es so aussah, als hätte Jessica recht?
Für eine halbe Sekunde war ich von der Idee, der Unmöglichkeit, abgelenkt, wie es sein könnte sie zu küssen. Meine Lippen auf ihren Lippen, kalter Stein auf warmer, weicher Seide…
Und dann stirbt sie.
Ich zuckte zusammen, schüttelte meinen Kopf und versuchte wieder aufzupassen.
„Worüber habt ihr euch unterhalten?“ Hast du überhaupt mit ihm geredet oder hast du dir von ihm auch alles aus der Nase ziehen lassen?
Ich lächelte wehmütig. Jessica lag nicht ganz falsch.
„Ich weiß nicht, Jess, alles mögliche. Wir haben uns ein bisschen über den Englisch-Aufsatz unterhalten.“
Ein ganz kleines bisschen. Mein Lächeln wurde breiter.
Oh, KOMM SCHON. „Bitte, Bella! Gib mir ein paar Einzelheiten.“
Bella überlegte einen Moment.
„Naja… ok, ich hab was. Du hättest sehen sollen wie die Kellnerin mit ihm geflirtet hat – das war der Hammer. Aber er hat sie nicht mal beachtet.“
Was für eine seltsame Einzelheit. Ich war überrascht, dass Bella das überhaupt bemerkt hatte. Es war so unbedeutend.
Interessant… „Das ist ein gutes Zeichen. War sie hübsch?“
Hmm. Jessica schien das wichtiger zu finden, als ich. Muss wohl irgendein Frauending sein.
„Sehr,“ sagte Bella. „Und vielleicht neunzehn oder zwanzig.“
Jessica war einen Moment von einer Erinnerung an ihr Date mit Mike am Montag abgelenkt – Mike war ein wenig zu freundlich zu einer Kellnerin gewesen, die Jessica nicht mal hübsch fand. Sie schob die Erinnerung beiseite und kam ohne sich etwas von ihrem Ärgern anmerken zu lassen zu ihrer Frage nach Einzelheiten zurück.
„Noch besser. Er muss dich wirklich mögen.“
„Das glaube ich auch,“ sagte Bella langsam. Ich konnte mich kaum noch auf meinem Stuhl halten, blieb aber immer noch absolut ruhig. „Aber das ist schwer zu sagen. Er ist immer so kryptisch.“
Ich war wohl doch nicht so leicht zu durchschauen und außer Kontrolle wie ich gedacht hatte. Dennoch… aufmerksam wie sie war… Wie konnte sie nicht bemerken, dass ich sie liebte? Ich ging in Gedanken unsere Unterhaltung durch und war überrascht, dass ich die Worte nicht laut ausgesprochen hatte. Es hatte sich angefühlt als wäre dieses Wissen in jedem Wort zwischen uns mitgeschwungen.
Wow. Wie kannst du einem männlichen Model gegenübersitzen und dich unterhalten? „Ich verstehe nicht wie du den Mut aufbringst mit ihm allein zu sein,“ sagte Jessica.
Bella war für einen kurzen Moment geschockt. „Warum?“
Seltsame Reaktion. Was denkt sie denn was ich meine? „Er ist so…“ Wie ist das richtige Wort? „Einschüchternd. Ich wüsste nicht was ich zu ihm sagen sollte.“ Ich konnte heute Morgen ja nicht mal richtig englisch (in unserem Fall wohl eher deutsch) mit ihm reden. Ich muss mich wie ein kompletter Vollidiot angehört haben.
Bella lächelte. „Ich hab auch ein wenig Probleme mich in seiner Gegenwart normal zu verhalten.“
Sie schien zu versuchen Jessica ein besseres Gefühl zu geben. Sie war so unnatürlich selbstbeherrscht gewesen als wir zusammen waren.
„Oh naja,“ seufzte Jessica. „Er sieht ja auch einfach fantastisch aus.“
Bellas Gesichtsausdruck wurde plötzlich kühl. Ihre Augen blitzen auf, wie sie es taten, wenn Bella sich über Ungerechtigkeiten ärgerte. Jessica bemerkte die Veränderung nicht.
„Da ist noch viel mehr an ihm als das,“ schnappte Bella.
Oooh. Jetzt kommen wir der Sache langsam näher. „Ehrlich? Was denn?“
Bella nagte einen Moment an ihrer Lippe. „Ich kann es nicht wirklich erklären,“ sagte sie schließlich. „Aber er ist noch viel unglaublicher hinter der Oberfläche.“ Sie sah an Jessica vorbei, ein bisschen desorientiert, als ob sie etwas in sehr weiter Ferne anstarrte.
Das was ich jetzt fühlte war ein bisschen so wie das Gefühl das ich hatte, wenn Carlisle oder Esme mich mehr lobten als ich es verdiente. Ähnlich aber intensiver, verzehrender.
Verkauf mich nicht für dumm – es gibt nichts Besseres als sein Gesicht! Außer sein Körper vielleicht. Schmelz. „Das geht?“ kicherte Jessica.
Bella wandte sich nicht um. Ihr Blick war immer noch in die Ferne gerichtet.
Ein normaler Mensch würde sich hämisch freuen. Vielleicht sollte ich die Fragen einfacher formulieren. Ha ha. Als wenn ich mit einem Kindergartenkind reden würde. „Also magst du ihn?“
Ich war wieder starr.
Bella sah Jessica nicht an. „Ja.“
„Ich meine, magst du ihn so richtig?“
„Ja.“
Sieh sich einer an, wie rot sie wird!
Ich sah es mir an.
„Wie sehr magst du ihn?“ verlangte Jessica zu wissen.
Der Klassenraum hätte um mich herum in Flammen aufgehen können und ich hätte es nicht bemerkt.
Bellas Gesicht war jetzt knallrot – ich konnte die Hitze fast spüren.
„Zu sehr,“ flüsterte sie. „Mehr als er mich mag. Aber ich wüsste nicht, wie ich das ändern könnte.“
Treffer! Was hat Mr. Varner gerade gefragt? „Ähm – welche Nummer Mr. Varner?“
Es war gut, dass Jessica Bella nicht mehr ausfragen konnte. Ich brauchte ein Minute Pause.
Was zur Hölle dachte dieses Mädchen denn jetzt? Mehr als er mich mag? Wie kam sie denn darauf? Aber ich wüsste nicht wie ich das ändern könnte? Was sollte das denn heißen? Ich konnte keine logische Erklärung für diese Worte finden. Sie waren absolut unsinnig.
Anscheinend konnte ich nichts für Selbstverständlich annehmen. Offensichtliche Dinge, Dinge die einen Sinn ergaben, wurden auf seltsame Weise verdreht und ins Gegenteil umgewandelt in ihrem bizarren Gehirn. Mehr als er mich mag? Vielleicht sollte ich die Karten sofort offen auf den Tisch legen.
Ich warf einen Blick auf die Uhr und biss die Zähne zusammen. Wie konnten sich schlichte Minuten für einen Unsterblich so lang anfühlen?
Mein Kiefer war während der gesamten Mathestunde von Mr. Varner zusammengepresst. Ich hörte mehr von seinem Unterricht als von dem in dem ich saß. Bella und Jessica sprachen nicht wieder, aber Jessica warf Bella hin und wieder einen verstohlenen Blick zu und ihr Gesicht war wieder puterrot ohne ersichtlichen Grund.
Die Mittagspause konnte gar nicht schnell genug kommen.
Ich war mir nicht sicher, ob Jessica ein paar der Antworten die ich hören wollte aus Bella herausbekäme, wenn die Stunde zu Ende war, aber Bella war schneller.
Sobald die Klingel ertönte, drehte Bella sich zu Jessica.
„In Englisch hat Mike mich gefragt ob du irgendetwas wegen Montag gesagt hättest,“ sagte Bella mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Ich verstand es genauso wie es gemeint war – Angriff ist die beste Verteidigung.
Mike hat nach mir gefragt? Die Freude ließ Jessicas Gedanken plötzlich weicher werden, ohne ihren typischen Biss. „Ist nicht war! Was hast du gesagt?“
„Ich sagte ihm, dass du erzählt hast, dass ihr sehr viel Spaß hattet – und er sah zufrieden aus.“
„Sag mir genau was er gesagt hat und dann haargenau was du geantwortet hast!“
Das war alles was ich heute von Jessica bekommen würde. Bella lächelte als würde sie dasselbe denken. Als wenn sie die Runde gewonnen hätte.
Naja, das Mittagessen war eine andere Geschichte. Ich würde die Antworten erfolgreicher aus ihr rausbekommen als Jessica, dafür würde ich sorgen.
Ich hielt es kaum aus, obligatorisch in Jessicas Gedanken reinzuschauen während der vierten Stunde. Ich hatte kein verlangen nach ihren obsessiven Gedanken über Mike Newton. Ich hatte mehr als genug von ihm in den letzten zwei Wochen. Er hatte Glück, dass er überhaupt noch am Leben war.
Ich bewegte mich teilnahmslos mit Alice durch den Sportunterricht, so wie wir uns immer bewegten wenn es zu körperlichen Aktivitäten mit Menschen kam. Natürlich war sie meine Partnerin. Es war der erste Tag Badminton. Ich seufzte vor Langeweile als ich den Schläger in Zeitlupe bewegte um den Federball zurück zur anderen Seite zu schlagen. Lauren Mallory war in dem andern Team; Sie verfehlte. Alice wirbelte ihren Schläger herum wie einen Taktstock und starrte an die Decke.
Wir alle hassten Sport, besonders Emmett. Ein Spiel zu schmeißen war eine Beleidigung für seine persönliche Philosophie. Sport schien noch schlimmer zu sein, als sonst – ich war genauso verärgert wie Emmett immer war.
Bevor mein Kopf vor Ungeduld platzen konnte beendete Coach Clapp das Spiel und entließ uns ein paar Minuten früher. Ich war lächerlicherweise dankbar dafür, dass er das Frühstück ausgelassen hatte – seine neue Diät – und der konsequente Hunger veranlasste ihn dazu, so schnell wie möglich das Schulgelände zu verlassen um irgendwo ein fettiges Mittagessen zu sich zu nehmen. Er versprach sich selbst, morgen wieder von vorn anzufangen.
Dadurch hatte ich genug Zeit zum Mathe-Gebäude zu kommen bevor Bellas Unterricht zu Ende war.
Viel Spaß, dachte Alice, als sie davon schlenderte um sich mit Jasper zu treffen. Ich muss nur noch ein paar Tage lange geduldig abwarten. Ich vermute mal du wirst Bella nicht von mir grüßen, oder?
Ich schüttelte verärgert meinen Kopf. Waren alle Medien so selbstgefällig?
Ach ja, nur zu deiner Information, dieses Wochenende wird sehr sonnig werden. Vielleicht möchtest du deine Pläne ändern.
Ich seufzte während ich weiter in die andere Richtung ging. Selbstgefällig, aber auch nützlich.
Ich lehnte mich an die Wand neben der Tür und wartete. Ich war nahe genug um Jessicas Worte genauso deutlich durch die Wand hören zu können wie ihre Gedanken.
„Du wirst heute nicht bei uns sitzen, oder?“ Sie sieht so… strahlend aus. Ich wette sie hat mir tonnenweise Informationen vorenthalten.
„Ich denke nicht,“ antwortete Bella seltsam unsicher.
Hatte ich nicht versprochen das Mittagessen mit ihr zu verbringen? Was dachte sie bloß?
Sie kamen zusammen aus der Klasse heraus und beide Mädchen rissen die Augen auf, als sie mich sahen. Aber ich konnte nur Jessica hören.
Nett. Wow. Oh ja, da geht noch viel mehr als sie mir erzählt hat. Vielleicht sollte ich sie heute Abend mal anrufen… Oder vielleicht sollte ich sie nicht ermutigen. Hm. Ich hoffe, er hat bald genug von ihr. Mike ist süß aber… wow.
„Wir sehen uns dann später, Bella.“
Bella kam auf mich zu und hielt einen Schritt von mir entfernt an, immer noch unsicher. Die Haut über ihren Wangenknochen war leicht gerötet.
Ich kannte sie mittlerweile gut genug um zu wissen, dass hinter ihrem Zögern keine Angst steckte. Anscheinend lag es an dieser Kluft die sie sich zwischen unseren Gefühlen einbildete. Mehr als er mich mag. Absurd!
„Hallo,“ sagte ich, ein bisschen sehr knapp.
Ihr Gesicht erhellte sich. „Hi.“
Es sah nicht so aus, als wollte sie noch mehr sagen, also führte ich sie zur Cafeteria und sie ging schweigend neben mir her.
Die Jacke hatte gewirkt – ihr Duft war nicht so überwältigend wie sonst. Es war nur eine leichte Verstärkung der Schmerzen die ich bereits spürte. Ich konnte es leichter ignorieren als ich einst für möglich gehalten hatte.
Bella war unruhig als wir in der Schlange warteten, spielte abwesend mit dem Reißverschluss ihrer Jacke und trat von einem Fuß auf den anderen. Sie warf mir viele verstohlene Blicke zu, und wenn ich zurück sah, senkte sie ihren Blick, als ob sie sich schämte. Lag es daran, dass uns so viele Leute anstarrten? Vielleicht konnte sie das Getuschel um uns herum hören – das Getratsche war heute verbal und mental das gleiche.
Oder vielleicht sah sie an meinem Gesichtsausdruck, dass sie in Schwierigkeiten war.
Sie sagte nichts, bis ich anfing das Mittagessen für sie aufs Tablett zu laden. Ich wusste nicht, was sie mochte – noch nicht – also nahm ich von allem etwas.
„Was machst du da?“ zischte sie leise. „Soll das alles für mich sein?“
Ich schüttelte meinen Kopf und trug das Tablett zur Kasse. „Die Hälfte ist natürlich für mich.“
Sie hob skeptisch eine Augenbraue, sagte aber nichts weiter während ich bezahlte und sie zu dem Tisch geleitete an dem wir letzte Woche vor dem tragischen Experiment bzgl. Blutgruppenbestimmung gesessen hatten. Es wirkte so, als währen viel mehr als nur ein paar Tage vergangen. Alles war anders.
Sie setzte sich wieder mir gegenüber. Ich schob das Tablett zu ihr herüber.
„Nimm dir was du magst,“ bot ich ihr an.
Sie nahm einen Apfel und drehte ihn in ihren Händen mit einem Abschätzenden Ausdruck in ihren Augen.
„Ich bin neugierig.“
Was für eine Überraschung.
„Was würdest du tun, wenn dich jemand zwingen würde, etwas zu essen?“ fuhr sie mit leiser Stimme fort, so dass kein menschliches Ohr sie hören konnte. Unsterbliche Ohren waren etwas anderes, wenn diese Ohren aufpassen würden. Ich hätte es ihnen wohl doch besser früher sagen sollen…
„Du bist immer neugierig,“ beschwerte ich mich. Aber naja. Es war ja nicht so, als hätte ich noch nie vorher was essen müssen. Es war ein Teil des Versteckspiels. Ein unangenehmer Teil.
Ich griff nach dem nächstbesten Etwas und hielt ihrem Blick stand während ich einen kleinen Bissen von was auch immer nahm. Ohne nachzusehen konnte ich es nicht sagen. Es war genauso schleimig und grob und widerwärtig wie alles menschliche Essen. Ich kaute schnell und versuchte nicht das Gesicht zu verziehen während ich schluckte. Der Klumpen Essen rutschte langsam und unangenehm meinen Hals hinunter. Ich seufzte bei der Vorstellung wie ich ihn später wieder herauswürgen müsste. Widerlich.
Bella war geschockt. Beeindruckt.
Ich wollte meine Augen verdrehen. Natürlich hatten wir diese Täuschung perfektioniert.
“Wenn dich jemand zwingen würde, Erde zu essen, könntest du es doch auch, oder?”
Sie kräuselte ihre Nase und lächelte. „Hab ich mal… wegen einer Wette. So schlimm war es gar nicht.“
Ich lachte. „Das überrascht mich nicht.“
Sie sehen gut zusammen aus, nicht war? Gute Körpersprache. Ich werde Bella meine Beobachtungen später erzählen. Er lehnt sich zu ihr hin, genau wie er es tun würde, wenn er interessiert wäre. Er sieht interessiert aus. Er sieht… perfekt aus. Jessica seufzte. Lecker.
Jessicas und mein Blick trafen sich, sie schaute nervös weg und kicherte mit dem Mädchen das neben ihr saß.
Hmmm. Vielleicht sollte ich mich doch besser an Mike halten. Realität, nicht Fantasie…
„Jessica analysiert alles was ich tue,“ informierte ich Bella. „Sie wird es später alles vor dir ausbreiten.“
Ich schob das Tablett wieder zu ihr herüber – Pizza, stellte ich fest – und überlegte wie ich am besten anfangen sollte. Meine vorherige Frustration kehrte zurück als ich die Worte in meinem Kopf wiederholte: Mehr als er mich mag. Aber ich wüsste nicht, wie ich das ändern könnte.
Sie nahm einen Bissen von demselben Stück Pizza. Es amüsierte mich, wie vertrauensvoll sie war. Natürlich wusste sie nicht, dass ich giftig war – nicht das Essen teilen sie verletzen würde. Dennoch erwartete ich irgendwie, dass sie mich anders behandelte. Wie etwas anderes. Das tat sie nie – jedenfalls nicht auf eine negative Art und Weise…
Ich würde langsam anfangen.
„Die Kellnerin war also hübsch?“
Sie hob wieder die Augenbraue. „Das hast du wirklich nicht bemerkt?“
Als ob irgendeine Frau hoffen konnte mich von Bella abzulenken. Schon wieder absurd.
„Nein, ich hab nicht drauf geachtet. Mir ging viel im Kopf herum.“ Nicht zuletzt die weiche Berührung ihrer dünnen Bluse…
Gut, dass sie heute diesen hässlichen Pullover trug.
„Die Ärmste,“ sagte Bella lächelnd.
Es gefiel ihr dass ich die Kellnerin nicht im Geringsten interessant gefunden hatte. Das konnte ich verstehen. Wie oft hatte ich mir vorgestellt Mike im Biologieraum auszuschalten?
Sie konnte nicht wirklich glauben, dass ihre menschlichen Gefühle, die Erfüllung ihrer siebzehn sterblichen Jahre, stärker sein konnten, als die Unsterbliche Leidenschaft die sich in mir in einem Jahrhundert aufgebaut hatte.
„Etwas dass du zu Jessica gesagt hast…“ ich schaffte es nicht locker zu klingen. „Naja, es stört mich.“
Sie nahm sofort eine Verteidigungshaltung an. „Es überrascht mich nicht, dass du etwas gehört hast, dass dir nicht gefällt. Du weißt was man über den Lauscher an der Wand sagt?“
Der Lauscher an der Wand hört seine eigene Schand, das sagt man.
„Ich hab dir gesagt, dass ich zuhören würde,“ erinnerte ich sie.
„Und ich hab dir gesagt, dass du nicht alles wissen willst, was ich denke.“
Ah, sie dachte wieder an die Situation in der ich sie zum Weinen gebracht hatte. Ich hatte einen Kloß im Hals vor Reue. „Das stimmt. Dennoch hast du nicht ganz recht. Ich möchte wissen was du denkst – alles. Ich wünschte nur… dass du manchen Dinge nicht denken würdest.“
Mehr Halbwahrheiten. Ich wusste, ich sollte nicht wollen, dass sie mich mochte. Aber ich wollte es. Natürlich wollte ich es.
„Das ist aber nun mal eine Tatsache,“ grummelte sie und warf mir einen finsteren Blick zu.
„Aber darum geht es jetzt nicht.“
„Worum geht es dann?“
Sie lehnte sich zu mir herüber mit ihrer Hand um ihren Hals gelegt. Das erregte meine Aufmerksamkeit – lenkte mich ab. Wie weich sich diese Haut anfühlen musste…
Konzentrier dich, ermahnte ich mich.
„Glaubst du wirklich, dass du mehr für mich empfindest als ich für dich?“ fragte ich. Die Frage hörte sich lächerlich an, als ob die Worte zusammenhanglos wären.
Sie riss die Augen auf und hielt den Atem an. Dann sah sie schnell weg und atmete mit einem Keuchen weiter.
„Du tust es schon wieder,“ murmelte sie.
„Was?“
„Mich blenden,“ gab sie zu und erwiderte vorsichtig meinen Blick.
„Oh.“ Hmm. Ich war mir nicht sicher, was ich dagegen tun könnte. Noch war ich mir sicher, dass ich sie nicht blenden wollte. Ich war immer noch aufgeregt, weil ich es konnte. Aber das half der Unterhaltung nicht weiter.
„Es ist nicht deine Schuld.“ Seufzte sie. „Du kannst nichts dafür.“
„Wirst du mir meine Frage beantworten?“ verlangte ich.
Sie starrte auf den Tisch. „Ja.“
Das war alles was sie sagte.
„Ja, du wirst die Frage beantworten, oder ja, du glaubst es wirklich?“ fragte ich ungeduldig.
„Ja, ich glaube es wirklich,“ sagte sie ohne aufzuschauen. Da war ein leicht trauriger Unterton in ihrer Stimme. Sie errötete wieder und ihre Zähne begannen wieder ihre Lippe zu bearbeiten.
Plötzlich bemerkte ich, dass es sehr schwer für sie sein musste, das zuzugeben, da sie es wirklich glaubte. Und ich war nicht besser als dieser Feigling Mike, das ich von ihr verlangte ihre Gefühle preiszugeben bevor ich meine offenlegte. Es war nicht zu ihr durchgedrungen also musste ich mich entschuldigen.
„Da liegst du falsch,“ versprach ich. Sie musste die Sanftmut in meiner Stimme hören.
Bella sah zu mir auf, ihre Augen waren unklar und gaben nichts preis. „Das kannst du nicht wissen,“ flüsterte sie.
Sie dachte, dass ich ihre Gefühle unterschätze, da ich ihre Gedanken nicht hören konnte. Aber die Wahrheit war, dass sie meine unterschätze.
„Warum denkst du das?“ wunderte ich mich.
Sie starrte mich an mit der Falte zwischen ihren Augenbrauen und kaute auf ihrer Lippe. Zum millionsten Mal wünschte ich mir verzweifelt, sie einfach nur hören zu können.
Ich wollte sie gerade anbetteln mir zu sagen mit welchen Gedanken sie gerad zu kämpfen hatte, aber sie hielt einen Finger hoch um mich davon abzuhalten.
„Lass mich nachdenken,“ bat sie.
So lange sie nur ihre Gedanken sortierte konnte ich geduldig sein.
Oder zumindest so tun als ob.
Sie presste ihre Hände zusammen, verschlang ihre zarten Finger ineinander und löste sie wieder. Sie sah auf ihre Hände, als gehörten sie zu jemand anderem, während sie sprach.
„Naja, abgesehen von den offensichtlichen Dingen,“ murmelte sie. „Manchmal… ich kann es nicht mit Sicherheit sagen – ich weiß nicht, wie man Gedanken liest – aber manchmal ist es so als würdest du dich verabschieden obwohl du etwas ganz anderes sagst.“ Sie schaute nicht auf.
Das hatte sie also bemerkt. Hatte sie auch bemerkt dass es nur Schwäche und Egoismus waren die mich hier hielten? Dachte sie deswegen schlecht von mir?
„Gut erkannt,“ hauchte ich und dann sah ich mit Entsetzen ihren schmerzerfüllten Gesichtsausdruck. Ich beeilte mich ihre Annahme zu wiederlegen. „Aber genau deshalb liegst du falsch. Allerdings…“ Fing ich an und hielt dann inne, während ich mich an die ersten Worte ihrer Erklärung erinnerte. Sie störten mich, obwohl ich mir nicht sicher war, dass ich sie richtig verstanden hatte. „Was meinst du mit den ‚offensichtlichen Dingen‘?“
„Naja, sie mich doch mal an,“ sagte sie.
Ich sah sie an. Alles was ich die ganze Zeit tat, war sie anzusehen. Was meinte sie?
„Ich bin vollkommen durchschnittlich,“ erklärte sie. „Naja, abgesehen von den schlechten Dingen wie die ganzen Nahtoderfahrungen und die Ungeschicklichkeit. Und dann sieh dich an.“ Sie fächerte durch die Luft in meine Richtung, als ob sie über etwas redete, dass so offensichtlich war, dass man es nicht aussprechen müsste.
Sie dachte sie wäre durchschnittlich? Sie dachte dass ich irgendwie besser wäre als sie? In wessen Vorstellung? Dumme, kleingeistige, blinde menschliche wie die von Jessica oder Ms. Cope? Wie konnte sie nicht merken, dass sie die schönste… die herrlichste… Diese Worte waren nicht annähernd gut genug.
Sie hatte keine Ahnung.
„Du siehst dich selbst nicht gerade klar, weißt du,“ erkläre ich ihr. „Ich gebe zu, dass du recht hast, was die schlechten Eigenschaften angeht…“ ich lachte humorlos. Ich fand das böse Schicksal das sie verfolgte nicht amüsant. Die Ungeschicklichkeit jedoch war irgendwie witzig. Liebenswert. Würde sie mir glauben, wenn ich ihr sagte, dass sie sowohl äußerlich als auch innerlich schön war? Vielleicht fand sie Untermauerungen überzeugender. „Aber du hast nicht gehört was jedes männliche Wesen hier an deinem ersten Tag gedacht hat.“
Ah, die Hoffnung, die Aufregung, die Begierde dieser Gedanken. Wie schnell sie zu unmöglichen Fantasien geworden waren. Unmöglich weil sie keinen von ihnen wollte.
Ich war derjenige zu dem sie Ja gesagt hatte.
Mein Lächeln muss selbstgefällig gewesen sein.
Ihr Gesicht war Ausdruckslos vor Überraschung. „Das glaube ich nicht,“ murmelte sie.
„Vertrau mir nur dieses eine Mal – du bist das Gegenteil von durchschnittlich.“
Ihre Existenz war Grund genug die Schöpfung der Welt zu rechtfertigen.
Sie war Komplimente nicht gewöhnt, das konnte ich sehen. Wieder etwas an das sie sich würde gewöhnen müssen. Sie errötete und wechselte das Thema. „Aber ich verabschiede mich nicht.“
„Verstehst du denn nicht? Das beweist doch dass ich recht habe. Ich empfinde viel mehr für dich, denn wenn ich das tun kann…“ Würde ich je selbstlos genug sein um das Richtige zu tun? Ich schüttelte verzweifelt meinen Kopf. Ich würde die Kraft aufbringen müssen. Sie verdiente ein Leben. Nicht das was Alice für sie kommen sah. „Wenn es das richtige ist, zu gehen…“ Und es musste das Richtige sein, oder nicht? Es gab keinen unbekümmerten Engel. Bella gehörte nicht zu mir. „Dann würde ich mir selbst Schmerzen zufügen um dir keine zu bereiten, damit du sicher bist.“
Als ich die Worte aussprach wünschte ich mir dass sie wahr wären.
Sie warf mir einen wütenden Blick zu. Irgendwie hatten meine Worte sie verärgert. „Und du glaubst nicht, dass ich das selbe tun würde?“ fragte sie zornig.
So wütend – so zart und so zerbrechlich. Wie könnte sie jemanden verletzen? „Du würdest diese Wahl nie treffen müssen,“ erklärte ich ihr, erneut deprimiert von dem großen Unterschied zwischen uns.
Sie starrte mich wieder an und Überzeugung ersetzte den Ärger in ihren Augen und betonte die Falte zwischen ihnen.
Da musste wirklich etwas absolut falsch sein im Universum wenn jemand so Gutes und so Zerbrechliches keinen Schutzengel verdiente, der sie vor Unheil bewahrte.
Naja, dachte ich mit schwarzem Humor, immerhin hat sie einen Schutz-Vampir.
Ich lächelte. Wie sehr ich meine Ausrede zu bleiben liebte. „Natürlich ist dich zu schützen ein Full-Time-Job, der meine ständige Anwesenheit erfordert.“
Sie lächelte auch. „Heute hat noch keiner versucht mich umzubringen,“ sagte sie leichthin und dann sah ihr Gesicht für eine halbe Sekunde wieder nachdenklich aus bevor ihre Augen wieder unklar wurden.
„Noch,“ fügte ich trocken hinzu.
„Noch,“ stimmte sie zu meiner Überraschung zu. Ich hätte gedacht, dass sie es ablehnen würde, Schutz zu benötigen.
Wie konnte er nur? Dieser Egoistische Esel! Wie konnte er uns das antun? Rosalies stechender mentaler Aufschrei brach durch meine Konzentration.
„Beruhig dich, Rose,“ hörte ich Emmett am anderen Ende der Cafeteria flüstern. Sein Arm lag auf ihren Schultern und presste sie fest an seiner Seite – hielt sie zurück.
Tut mir leid Edward, dachte Alice schuldbewusst. Sie konnte sich denken, dass Bella zu viel wusste wegen eurer Unterhaltung… und, naja, es wäre schlimmer gewesen, wenn ich ihr nicht sofort die Wahrheit gesagt hätte. Das kannst du mir glauben.
Ich zuckte zusammen bei der Vision die folgte, was passiert wäre, wenn ich Rosalie zu Hause erzählt hätte, dass Bella wusste, dass ich ein Vampir war, wo Rosalie die Fassade nicht aufrecht erhalten musste. Ich würde meinen Aston Martin außerhalb der Staatsgrenze verstecken müssen, wenn Rosalie sich nicht beruhigt hatte, bis die Schule vorbei war. Die Vorstellung von meinem Lieblingsauto, zerquetscht und brennend, war niederschmetternd – trotzdem wusste ich, dass ich die Strafe verdiente.
Jasper war nicht viel glücklicher.
Ich würde mich später um die anderen kümmern. Ich hatte nur begrenzte Zeit um mit Bella allein zu sein und die wollte ich nicht verschwenden. Und Alice zu hören hatte mich daran erinnert, dass ich noch etwas zu klären hatte.
„Ich hab noch eine Frage an dich,“ sagte ich und blendete Rosalies mentalen Hysterie Anfall aus.
„Schieß los,“ sagte Bella lächelnd.
„Musst du dieses Wochenende wirklich nach Seattle oder war das nur eine Ausrede um deinen ganzen Verehrern zu entkommen?“
Sie schnitt mir eine Grimasse. „Du weißt, dass ich dir die Sache mit Tyler noch nicht verziehen habe. Es ist deine Schuld, dass er denkt ich würde mit ihm zum Abschlussball gehen.“
„Oh, er hätte auch ohne mich eine Möglichkeit gefunden dich zu fragen – ich wollte einfach nur dein Gesicht sehen.“
Ich lachte bei der Erinnerung an ihren entgeisterten Ausdruck. Keine von den dunklen Wahrheiten die ich ihr über mich preisgegeben habe, hat sie je so entsetzt gucken lassen. Die Wahrheit machte ihr keine Angst. Sie wollte mit mir zusammen sein. Verblüffend.
„Wenn ich dich gefragt hätte, hättest du mich auch zurückgewiesen?“
„Vermutlich nicht,“ sagte sie. „Aber ich hätte dir später abgesagt – hätte eine Krankheit oder einen gebrochenen Knöchel vorgetäuscht.“
Wie seltsam. „Warum solltest du so etwas tun?“
Sie schüttelte ihren Kopf als wenn sie enttäuscht wäre, dass ich es nicht sofort verstand. „Du hast mich noch nie in Sport gesehen, vermute ich, aber ich hätte gedacht, dass du es trotzdem verstehen würdest.“
Ah. „Beziehst du dich auf die Tatsache, dass du nicht über eine glatte, ebene Fläche laufen kannst ohne etwas zu finden worüber du stolpern kannst?“
„Offensichtlich.“
„Das wäre kein Problem. Es kommt nur auf die Führung an.“
Für den Bruchteil einer Sekunde war ich überwältigt von der Vorstellung sie beim Tanzen in meinen Armen zu halten – wo sie mit Sicherheit etwas Schöneres und Ansprechenderes tragen würde, als diesen hässlichen Pullover.
Mit absoluter Klarheit erinnerte ich mich daran wie sich ihr Körper unter mir angefühlt hatte, als ich sie vor dem heran rutschenden Van gerettet hatte. Noch stärker als an die Panik, oder die Verzweiflung oder den Ärger, erinnerte ich mich an dieses Gefühl. Sie war so warm und weich gewesen und hatte sich so leicht an meinen steinernen Körper angepasst…
Ich riss mich von dieser Erinnerung los.
„Aber du hast mir noch nicht gesagt…“ sagte ich schnell um sie davon abzuhalten mit mir über ihre Ungeschicklichkeit zu diskutieren, was sie scheinbar vor hatte. „Musst du unbedingt nach Seattle oder können wir auch was anderes machen?“
Unaufrichtig – ihr die Wahl überlassen ohne ihr die Möglichkeit einzuräumen den Tag ohne mich zu verbringen. Das war nicht wirklich fair von mir. Aber ich hatte ihr letzte Nacht etwas versprochen… und mir gefiel die Idee diesen Versprechen zu halten – fast so sehr wie diese Idee mich ängstigte.
Die Sonne würde am Samstag scheinen. Ich könnte ihr mein wahres Ich zeigen, wenn ich stark genug wäre ihr Entsetzen und ihren Ekel zu ertragen. Ich kannte den perfekten Ort um ein solches Risiko einzugehen.
„Ich bin offen für Vorschläge,“ sagte Bella. „Aber ich muss dich um einen Gefallen bitten.“
Ein eingeschränktes Ja. Was könnte sie von mir wollen?
„Was?“
„Kann ich fahren?“
War das ihre Vorstellung von Humor? „Warum?“
„Naja, hauptsächlich weil, als ich Charlie erzählt habe, dass ich nach Seattle fahre, hat er mich explizit gefragt ob ich alleine fahre und zu dem Zeitpunkt war das noch so. Wenn er noch mal fragt, würde ich vermutlich nicht lügen, aber ich denke nicht, dass er noch mal fragen wird und wenn ich den Truck zu Hause lasse würde es das Thema unnötigerweise zur Sprache bringen. Und außerdem macht mir dein Fahrstil angst.“
Ich verdrehte meine Augen. „Bei all den Dingen die dir an mir Angst einjagen könnten, machst du dir Sorgen um meinen Fahrstil.“ Ihr Gehirn funktionierte auf jeden Fall verkehrtherum. Ich schüttelte empört meinen Kopf.
Edward, rief Alice drängend.
Plötzlich starrte ich auf einen hellen Kreis aus Sonnenlicht, der in einer von Alices Visionen erschienen war.
Es war ein Ort den ich sehr gut kannte, der Ort an den ich Bella mit hin nehmen wollte – eine kleine Lichtung wo niemand außer mir je hinging. Ein ruhiger, schöner Ort an dem ich mich darauf verlassen konnte, allein zu sein – weit genug weg von jedem Pfad oder menschlichen Lebens, dass sogar mein Geist Ruhe und Frieden hatte.
Alice erinnerte sich auch an diesen Ort, denn sie hatte mich dort vor nicht allzu langer zeit in einer anderen Vision gesehen – eine dieser flackernden unsteten Visionen die Alice mir an dem Morgen gezeigt hatte, als ich Bella vor dem Van gerettet hatte.
In dieser flackernden Vision war ich nicht allein gewesen. Und jetzt war sie klar – Bella war mit mir dort. Also war ich mutig genug. Sie starrte mich an, Regenbogen tanzten auf ihrem Gesicht, ihre Augen waren unergründlich.
Es ist derselbe Ort, dachte Alice voller Entsetzen, das nicht zu der Vision passte. Anspannung vielleicht aber Entsetzen? Was meinte sie mit derselbe Ort?
Und dann sah ich es.
Edward! Alice protestierte schrill. Ich liebe sie, Edward!
Ich blendete sie verärgert aus.
Sie liebte Bella nicht so wie ich sie liebte. Ihre Vision war unmöglich. Falsch. Sie war irgendwie geblendet, sah unmögliche Dinge.
Nicht mal eine halbe Sekunde war vergangen. Bella sah mich neugierig an und wartete darauf, dass ich ihrer Bitte nachgab. Hatte sie den kurzen Anflug von Widerwillen gesehen oder ging es zu schnell für sie?
Ich konzentrierte mich auf sie und unsere Unterhaltung und verbannte Alice und ihre fehlerhaften, lügenden Visionen aus meinen Gedanken. Sie verdienten meine Aufmerksamkeit nicht.
Trotzdem war ich nicht in der Lage den spielerischen Ton unserer Unterhaltung aufrechtzuerhalten.
„Willst du deinem Vater nicht erzählen, dass du den Tag mit mir verbringst?“ fragte ich mit einem düsteren Unterton in der Stimme.
Ich kämpfte gegen die Vision und versuchte sie noch weiter weg zu schieben um sie davon abzuhalten durch meinen Kopf zu flackern.
„Mit Charlie ist weniger meistens mehr,“ sagte Bella voller Überzeugung. „Wo gehen wir denn überhaupt hin?“
Alice hatte unrecht. Vollkommen unrecht. Es war einfach nicht möglich dass das passieren würde. Außerdem war es eine alte Vision, gebrechlich. Die Dinge hatten sich geändert.
„Das Wetter wird schön sein,“ erkläre ich ihr langsam und bekämpfte die Angst und die Unsicherheit. Alice hatte unrecht. Ich würde so tun als ob ich nichts gehört und gesehen hätte. „Also werde ich mich aus der Öffentlichkeit fern halten… und du kannst bei mir bleiben wenn du möchtest.“
Bella verstand sofort was ich meinte; ihre Augen strahlten erwartungsvoll. „Und dann zeigst du mir was du meintest wegen der Sonne?“
Vielleicht, wie schon so viele Male zuvor, würde ihre Reaktion das genaue Gegenteil sein von dem was ich vermutete. Ich lächelte bei dieser Vorstellung und bemühte mich zu den schöneren Gedanken zurück zu kommen. „Ja. Aber…“ Sie hatte noch nicht Ja gesagt. „Wenn du nicht… mit mir allein sein möchtest, wäre es mir dennoch lieber, wenn du nicht allein nach Seattle gehen würdest. Ich fühle mich nicht wohl bei der Vorstellung, was dir in einer Stadt dieser Größe alles passieren könnte.“
Sie presste ihre Lippen aufeinander; sie war beleidigt.
„Phoenix ist dreimal so groß wie Seattle – allein schon von der Bevölkerung her. Die eigentliche Größe…“
„Aber scheinbar waren deine Tage noch nicht gezählt in Phoenix,“ sagte ich und unterbrach ihre Rechtfertigungen. „Also wäre es mir lieber, wenn du bei mir wärst.“
Sie könnte für immer bleiben und es wäre nicht lange genug.
So sollte ich nicht denken. Wir hatten kein Für Immer. Die vergehenden Sekunden zählten mehr als je zuvor; jede Sekunde veränderte sie während ich unberührt blieb.
„Wenn das so ist, habe ich nichts dagegen mit dir allein zu sein,“ sagte sie.
Nein – weil ihre Instinkte verkehrtherum waren.
„Ich weiß,“ seufzte ich. „dennoch könntest du es Charlie erzählen.“
„Warum um alles in der Welt sollte ich das tun?“ fragte sie und klang entsetzt.
Ich warf ihr einen finsteren Blick zu, die Visionen die ich nicht gerade erfolgreich zu unterdrücken versuchte schwirrten durch meinen Kopf.
„Um mir einen Grund zu geben, dich zurück zu bringen,“ zischte ich. So viel musste sie mir zugestehen – einen Zeugen der mich dazu zwang, vorsichtig zu sein.
Warum hatte Alice mir dieses Wissen aufgezwungen?
Bella schluckte laut und starrte mich lange an. Was sah sie?
„Ich denke ich lasse es darauf ankommen,“ sagte sie.
Ugh! War es ein besonderer Kick für sie ihr Leben zu riskieren? Ein Adrenalinstoß den sie herbeisehnte?
Ich schielte zu Alice die meinen Blick warnend erwiderte. Neben ihr starrte Rosalie finster vor sich hin, aber das hätte mich nicht weniger kümmern können. Sollte sie doch den Wagen zerstören. Es war bloß ein Spielzeug.
„Lass uns über etwas anderes reden,“ schlug Bella vor.
Ich sah sie wieder an und wunderte mich wie sie so Blind sein konnte gegenüber den Dingen auf die es wirklich ankam. Warum konnte sie nicht das Monster sehen, das ich war?
„Worüber möchtest du denn reden?“
Sie blickte erst nach links und dann nach rechts als ob sie sich davon überzeugen wollte, dass uns niemand zuhörte. Sie wollte anscheinend ein weiteres Mythenbehaftetes Thema ansprechen. Ihre Augen erstarrten kurz und ihr Körper versteifte sich, dann wandte sie ihren Blick wieder mir zu.
„Warum seid ihr letztes Wochenende zu den Goat Rocks gefahren… um zu jagen? Charlie sagte es wäre kein guter Platz zum campen, wegen den Bären.“
So blind. Ich erwiderte ihren Blick und hob eine Augenbraue.
„Bären?“ japste sie.
Ich lächelte ironisch während ich beobachtete wie sie diese Information sacken ließ. Würde sie das dazu veranlassen mich endlich ernst zu neben? Würde irgendetwas sie dazu veranlassen?
Sie riss sich wieder zusammen. „Du weißt, dass keine Bärensaison ist,“ sagte sie streng und verengte ihre Augen.
„Wenn du richtig lesen würdest, wüsstest du, dass das nur die Jagd mit Waffen betrifft.“
Sie verlor für einen kurzen Moment die Kontrolle über ihr Gesicht. Ihr Mund klappte auf.
„Bären?“ sagte sie wieder, eine zaghafte Frage diesmal, kein erschrockenes Japsen.
„Grizzlybären mag Emmett am liebsten.“
Wieder beobachtete ich wie sie diese Information schluckte.
„Hmm,“ murmelte sie. Sie nahm einen weitern Bissen Pizza und senkte den Blick. Sie kaute bedächtig und nahm einen Schluck Limonade.
„Also,“ sagte sie und schaute wieder auf. „Was magst du am liebsten?“
Ich vermute ich hätte mit sowas in der Art rechnen müssen, aber das hatte ich nicht. Bella war letztendlich doch immer überraschend.
„Puma,“ antwortete ich schroff.
„Ah,“ sagte sie in neutralem Tonfall. Ihr Herzschlag war normal und gleichmäßig, als ob wir uns über ein Lieblingsrestaurant unterhalten würden.
Na gut. Wenn sie so tun wollte, als wäre das nichts Ungewöhnliches…
„Natürlich müssen wir darauf achten, dass wir die Umwelt nicht schädigen indem wir unüberlegt jagen.“ Erklärte ich ihr, meine Stimme abgeklärt und nüchtern. „Wir konzentrieren uns auf Gebiete mit einer Überpopulation von Raubtieren – so weiträumig wie möglich. Hier gibt es immer genug Rehe und Hirsche, aber wo bleibt da der Spaß?“
Sie hörte mir mit höflichem, interessiertem Gesichtsausdruck zu, als wenn ich ein Lehrer wär, der einen Vortrag hielt. Ich musste lächeln.
„Oh natürlich,“ murmelte sie lässig und nahm wieder ein bisschen Pizza.
„Anfang Frühling ist Emmetts Lieblings Bärensaison,“ sagte ich und fuhr mit meinem Vortrag fort. „Sie wachen dann gerade erst aus ihrem Winterschlaf auf und sind dann sehr leicht reizbar.“
Siebzig Jahre später und er war immer noch nicht darüber hinweg gekommen diesen ersten Kampf verloren zu haben.
„Es gibt doch nichts schöneres als einen wütenden Grizzlybären,“ stimmte Bella zu und nickte feierlich.
Ich konnte ein Lachen nicht unterdrücken als ich den Kopf schüttelte über ihre unlogische Ruhe. Es musste zur Sprache gebracht werden. „Sag mir bitte, was du wirklich denkst.“
„Ich versuche es mir vorzustellen – aber ich kann es nicht,” sagte sie und die Falte zwischen ihren Augen tauchte wieder auf. „Wie jagt man denn einen Bären ohne Waffen?“
„Oh, wir haben Waffen,“ erklärte ich ihr und schenkte ihr ein sehr breites Lächeln. Ich rechnete damit, dass sie zurückschrecken würde, aber sie war sehr ruhig und beobachtete mich. „Nur nicht solche, wie sie sie in den Jagdgesetzen beschreiben. Wenn du jemals im Fernsehen gesehen hast, wie ein Bär angreift, solltest du dir Emmett beim jagen vorstellen können.“
Sie warf einen Blick zu dem Tisch hinüber an dem die anderen saßen und schauderte.
Endlich. Und dann lachte ich über mich selbst, denn ein Teil von mir wünschte sich sie würde so blind bleiben.
Ihre dunklen Augen waren nun groß und tief als sie mich ansah. „Bist du auch wie ein Bär?“ fragte sie fast flüsternd.
„Mehr wie ein Puma, das sagen jedenfalls die anderen,“ erklärte ich ihr und versuchte wieder abgeklärt zu klingen. „Vielleicht sind unsere Vorlieben bezeichnend.“
Ihre Mundwinkel hoben sich ein wenig. „Vielleicht,“ wiederholte sie. Und dann legte sie den Kopf zur Seite und die Neugierde stand ihr ins Gesicht geschrieben. „Werde ich das irgendwann mal sehen können?“
Ich brauchte keine Bilder von Alice um mir ausmalen zu können wie schrecklich das wäre – meine Vorstellungskraft war gut genug.
„Auf keinen Fall,“ schnaubte ich.
Sie zuckte vor mir zurück, ihre Augen verwirrt und verängstigt.
Ich lehnte mich ebenfalls zurück, wollte etwas Raum zwischen uns bringen. Das würde sie niemals sehen, oder? Sie würde nichts tun, was mir helfen könnte sie am Leben zu lassen.
„Zu beängstigend für mich?“ fragte sie mit gleichmäßiger Stimme. Ihr Herz schlug immer noch doppelt so schnell.
„Wenn es das wäre, würde ich dich sofort mitnehmen,“ gab ich durch meine zusammengepressten Zähen zurück. „Du könntest eine gesunde Portion Angst gut vertragen. Nichts könnte heilsamer für dich sein.“
„Warum dann?“ verlangte sie ungehindert.
Ich starrte sie düster an und wartete darauf, dass sie angst bekommen würde. Ich hatte Angst. Ich konnte es mir nur zu gut vorstellen wie es wäre Bella bei der Jagd bei mir zu haben…
Ihre Augen blieben neugierig, ungeduldig, nichts weiter. Sie gab nicht auf und wartete auf ihre Antwort.
Aber unsere Stunde war um.
„Später,“ schnappte ich und erhob mich. „Wir kommen sonst zu spät.“
Sie sah sich verwirrt um, als wenn sie vergessen hätte, dass wir beim Mittagessen saßen. Als ob sie sogar vergessen hätte, dass wir in der Schule waren – überrascht, dass wir nicht irgendwo allein waren. Ich verstand dieses Gefühl nur zu gut. Es war schwer den Rest der Welt wahrzunehmen, wenn ich mit ihr zusammen war.
Sie stand schnell auf und warf ihre Tasche über die Schulter.
„Dann also später,“ sagte sie und ich konnte die Entschlossenheit in ihrem Gesicht sehen. Sie würde mich darauf festnageln.

 
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