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9.Kapitel
~Port Angeles~

Als ich in Port Angeles ankam war es noch zu hell für mich um in die Stadt zu fahren; die Sonne stand immer noch zu hoch am Himmel, und, obwohl meine Scheiben schwarz getönt waren, wollte ich kein unnötiges Risiko eingehen. Mehr unnötige Risiken, sollte ich sagen.
Ich war zuversichtlich, dass ich Jessicas Gedanken auch aus der Ferne finden würde – Jessicas Gedanken waren lauter als Angelas, aber wenn ich die eine gefunden hatte, konnte ich auch die andere finden. Wenn die Schatten länger wurden, konnte ich näher kommen. Aber jetzt lenkte ich den Wagen erst mal von der Straße auf eine überwucherte Einfahrt kurz vor der Stadt die selten genutzt wurde.
Ich wusste die ungefähre Richtung in der ich suchen müsste – es gab wirklich nur einen Ort in Port Angeles wo man Klamotten kaufen konnte. Es dauerte nicht lange bis ich Jessica gefunden hatte, die sich vor einem dreigeteilten Spiegel hin und her drehte, und ich konnte Bella im Hintergrund sitzen sehen, um das lange schwarze Kleid, das sie trug zu begutachten.
Bella sieht immer noch sauer aus. Ha ha. Angela hatte recht – Tyler hatte sich etwas eingebildet. Trotzdem kann ich nicht verstehen, warum sie sich so anstellt. Immerhin weiß sie, dass sie ein Date in Reserve hat für den Abschlussball. Was wenn Mike sich auf dem Frühlingsball nicht amüsiert und mich nicht noch einmal fragt, ob ich mit ihm ausgehen möchte? Was wenn er Bella zum Abschlussball einlädt? Hätte sie Mike gefragt ob er mit ihr zum Frühlingsball geht, wenn ich nichts gesagt hätte? Findet er sie hübscher als mich? Findet sie sich hübscher als mich?
„Ich glaube ich finde das Blaue besser. Es betont deine Augen.“
Jessica lächelte Bella mit falscher Wärme an, während sie sie misstrauisch anschielte.
Glaubt sie das wirklich? Oder will sie, dass ich am Samstag wie eine Kuh aussehe?
Ich hatte schon keine Lust mehr, Jessica zuzuhören. Ich suchte in der Nähe nach Angela – ah, aber Angela zog sich grad um und ich verschwand schnell wieder aus ihrem Kopf um ihr etwas Privatsphäre zu geben.
Naja, es gab nicht viele Gefahren denen Bella in einem Bekleidungsgeschäft ausgesetzt war. Ich würde sie erst mal in Ruhe shoppen lassen und sie dann einholen wenn sie fertig waren. Es würde nicht mehr lange dauern bis es dunkel war – die Wolken kamen langsam aus Richtung Westen zurück. Ich sah sie nur schemenhaft zwischen den dicken Bäumen, aber ich konnte sehen, wie sie den Sonnenuntergang beschleunigten. Ich freute mich über sie, erflehte sie mehr als ich mich jemals zuvor nach ihren Schatten gesehnt hatte. Morgen konnte ich wieder neben Bella in der Schule sitzen, ihre ganze Aufmerksamkeit während der Pause für mich beanspruchen. Ich konnte ihr all die Fragen stellen, die ich mir aufgehoben hatte…
Also, sie war sauer über Tylers Annahme. Ich hatte es in seinem Kopf gesehen – dass er es wörtlich gemeint hatte, als er vom Abschlussball sprach, dass er ein Anrecht erhob. Ich erinnerte mich an ihren Gesichtsausdruck an diesem einen Nachmittag – dieser geschockte Zweifel – und ich lachte. Ich fragte mich, was sie ihm wohl dazu sagen würde. Ich würde ihre Reaktion nicht verpassen wollen.
Die Zeit verging langsam während ich darauf wartete, dass die Schatten länger wurden. Ich schaute hin und wieder nach Jessica; ihre mentale Stimme war am einfachsten zu finden, aber ich hielt es dort nicht lange aus. Ich sah das Restaurant indem sie planten zu Abend zu essen. Dann würde es dunkel sein… vielleicht würde ich zufällig dasselbe Restaurant wählen. Ich berührte das Telefon in meiner Tasche und überlegte ob ich Alice zum Essen einladen sollte… Das würde ihr gefallen, aber sie würde auch mit Bella reden wollen. Ich war mir nicht sicher, ob ich bereit war um Bella noch weiter in meine Welt zu involvieren. War ein Vampir nicht schon Problem genug?
Ich schaute wieder bei Jessica rein. Sie dachte über ihren Schmuck nach und fragte Angela nach ihrer Meinung.
„Vielleicht sollte ich die Kette zurückbringen. Ich hab eine Zuhause die passen könnte, außerdem hab ich schon mehr Geld ausgegeben als ich durfte…“ Meine Mutter wird ausrasten. Was hab ich mir nur dabei gedacht?
„Es macht mir nichts aus zu dem Laden zurück zu gehen. Aber meinst du nicht, Bella wird sich wundern wo wir bleiben?“
Was war das? Bella war nicht bei ihnen? Ich schaute zuerst durch Jessicas Augen, dann durch Angelas. Sie waren auf dem Gehweg vor einer Reihe von Läden und machten gerade kehrt. Bella war nirgendwo zu sehen.
Oh, wen interessiert denn schon Bella? Dachte Jessica ungeduldig bevor sie Angelas Frage beantwortete. „Es geht ihr sicher gut. Wir werden schon noch früh genug bei dem Restaurant sein, auch wenn wir zurück gehen. Abgesehen davon hatte ich den Eindruck, dass sie allein sein wollte.“ Ich erhaschte einen kurzen Blick auf einen Buchladen zu dem Jessica dachte, dass Bella gegangen seih.
„Dann lass uns beeilen,“ sagte Angela. Ich hoffe, Bella denkt nicht wir hätten sie sitzen lassen. Sie war heute im Auto so nett zu mir… sie ist wirklich ein liebenswerter Mensch. Aber sie wirkte den ganzen Tag irgendwie deprimiert. Ich frag mich, ob das mit Edward Cullen zusammenhängt? Ich wette, deshalb hat sie nach seiner Familie gefragt…
Ich hätte besser aufpassen sollen. Was hatte ich sonst noch verpasst? Bella lief hier ganz alleine herum und sie hatte vorher nach mir gefragt? Angela schenkte nun Jessica ihre Aufmerksamkeit – Jessica quasselte über diesen Idioten Mike – und ich konnte keine Informationen mehr von ihr bekommen.
Ich kontrollierte die Schatten. Die Sonne würde sehr bald hinter den Wolken verschwunden sein. Wenn ich auf der westlichen Seite der Straße blieb, wo die Gebäude sie vor dem schwindenden Licht abschirmten…
Ich wurde langsam ängstlich während ich durch den dichten Verkehr Richtung Stadtmitte fuhr. Damit hatte ich nicht gerechnet – Bella lief alleine los – und ich hatte keine Ahnung, wie ich sie finden könnte. Ich hätte damit rechnen müssen.
Ich kannte Port Angeles gut; ich fuhr direkt zu dem Buchladen aus Jessicas Kopf, in der Hoffnung, dass meine Suche kurz sein würde, bezweifelte jedoch, dass es so einfach sein würde. Wann machte Bella es je einfach?
Und natürlich war der kleine Laden leer, abgesehen von der seltsam gekleideten Frau hinter der Kasse. Das sah nicht nach einem Ort aus, an dem Bella interessiert gewesen wäre – zu New Age für eine bodenständige Person. Ich fragte mich, ob sie überhaupt hineingegangen war?
Da war ein schattiges Plätzchen in dem ich parken konnte… Von dem Platz führte ein dunkler Pfad direkt bis zum Überhang des Ladens. Das sollt ich wirklich nicht tun. Zu dieser Tageszeit herumzulaufen war nicht sicher. Was wenn ein vorbeifahrendes Auto die Sonne in genau dem falschen Moment in Richtung Schatten reflektieren würde?
Aber ich wusste nicht, wie ich sonst nach Bella suchen sollte!
Ich parkte, stieg aus und hielt mich im tiefsten Schatten auf. Schnell hastete ich in den Laden und erhaschte den Hauch von Bellas Duft in der Luft. Sie war hier gewesen, auf dem Gehweg, aber kein Zeichen ihrer Anwesenheit im Laden.
„Guten Tag! Kann ich ihnen helfen…“ begann die Verkäuferin, aber da war ich längst wieder zur Tür hinaus.
Ich folgte Bellas Duft soweit der Schatten es erlaubte und hielt am Rande des Sonnenlichts an.
Wie hilflos ich mich fühlte – eingepfercht von der schmalen Linie zwischen Dunkelheit und Licht, die sich über den Gehweg vor mir zog. So eingeschränkt.
Ich konnte nur raten, dass sie der Straße in Richtung Süden gefolgt war. Dort gab es nicht viel zu sehen. Hatte sie sich verlaufen? Naja, das schien nicht besonders abwegig.
Ich stieg wieder ins Auto und fuhr langsam durch die Straßen, auf der Suche nach Ihr. Hin und wieder stieg ich an Schattigen Stellen aus, aber ich witterte ihren Duft nur noch ein Mal und die Richtung in die er wehte, verwirrte mich. Wo wollte sie hin?
Ich fuhr ein paarmal zwischen dem Buchladen und dem Restaurant hin und her, in der Hoffnung ihr auf dem Weg zu begegnen. Jessica und Angela waren bereits da und überlegten ob sie schon mal bestellen oder noch auf Bella warten sollten. Jessica drängte dazu, sofort zu bestellen.
Ich begann durch die Gedanken von Fremden zu huschen um durch ihre Augen zu sehen. Bestimmt musste sie irgendwer gesehen haben.
Je länger sie verschwunden blieb umso nervöser und besorgter wurde ich. Ich hätte nie gedacht, dass es so schwer sein würde, sie wieder zu finden, wenn ich sie einmal, wie jetzt, verlieren würde. Das gefiel mir nicht.
Die Wolken verdichteten sich am Horizont und in ein paar Minuten konnte ich ihr zu Fuß folgen. Dann würde ich nicht mehr so lange brauchen. Einzig die Sonne machte mich so hilflos. Nur noch ein paar Minuten und der Vorteil läge wieder auf meiner Seite, dann wäre die menschliche Welt wieder machtlos.
Andere Gedanken und wieder andere. So viele belanglose Gedanken.
… ich glaube das Baby hat schon wieder eine Ohrenentzündung…
War es sechs vier null oder sechs null vier…?
Schon wieder zu spät. Ich sollte ihm mal sagen…
Da kommt sie! Aha!
Endlich, da war ihr Gesicht. Letztendlich hatte jemand sie bemerkt!
Die Erleichterung hielt nur für den Bruchteil einer Sekunde und dann las ich die Gedanken des Mannes der aus dem Schatten ihr Gesicht begutachtete genauer.
Sein Geist war mir fremd und doch nicht ganz unbekannt. Einst hatte ich genau solche Gedanken gejagt.
„NEIN!“ brüllte ich, und ein gewaltiges Knurren brach aus meiner Kehle. Mein Fuß trat das Gaspedal durch, aber wo sollte ich hinfahren?
Ich kannte die ungefähre Richtung aus der die Gedanken kamen, aber das Wissen war nicht detailiert genug. Irgendetwas, da musste irgendetwas sein – ein Straßenschild, eine Ladenfront, irgendetwas in seinem Blickfeld, dass seinen Aufenthaltsort verraten würde. Aber Bella stand im Schatten und sein Blick war auf ihr verängstigtes Gesicht geheftet – er genoss ihre Angst.
Ihr Gesicht verschwamm in seinen Gedanken mit anderen Gesichtern. Bella war nicht sein erstes Opfer.
Das Geräusch meines Knurrens brachte den Autorahmen zum vibrieren, aber das lenkte mich nicht ab.
In den Wänden hinter ihr waren keine Fenster. Irgendwo im Industriegebiet, weit weg von der bevölkerten Einkaufsstraße. Mein Wagen fuhr quietschend um die Kurve, überholte ein anderes Fahrzeug auf dem Weg in die, wie ich hoffte, richtige Richtung. Als der andere Fahrer hupte, war das Geräusch schon weit hinter mir.
Sie nur wie sie zittert! Der Mann lachte erwartungsvoll. Die Angst war seine Motivation – er genoss es.
„Bleib weg von mir.“ Ihre Stimme war ruhig und fest, kein Schrei.
„Seih doch nicht so, Herzchen.“
Er sah wie sie sich zu einem rauen Lachen umdrehte, das aus einer anderen Richtung kam. Das Geräusch verärgerte ihn – Halts Maul, Jeff! Dachte er – aber er mochte es wie sie zusammenzuckte. Es erregte ihn. Er begann sich ihre Bitten vorzustellen, wie sie betteln würde…
Ich hatte nicht mitbekommen, dass da noch andere bei ihm waren, bis ich das Lachen gehört hatte. Ich verließ seine Gedanken auf der Verzweifelten Suche nach etwas was ich gebrauchen könnte. Er machte einen Schritt auf sie zu und bog seine Finger durch.
Die Gedanken um ihn herum waren nicht so eine Kloake wie seine. Sie waren alle leicht betrunken und keiner von ihnen war sich darüber im Klaren wie weit der Kerl, den sie Lonnie nannten, vorhatte zu gehen. Sie folgten ihm blind. Er hatte ihnen ein bisschen Spaß versprochen…
Einer von ihnen sah nervös die Straße hinunter – er wollte nicht dabei erwischt werden wie er ein Mädchen belästigte – und gab mir was ich brauchte. Ich erkannte die Kreuzung zu der er hinübersah.
Ich überfuhr eine rote Ampel und schlidderte durch eine Lücke zwischen zwei Autos die gerade groß genug für meinen Wagen war. Hinter mir erhob sich ein wahres Hupkonzert.
Mein Handy vibrierte in meiner Tasche. Ich ignorierte es.
Lonnie bewegte sich langsam auf das Mädchen zu um die Spannung zu steigern – der Moment des Schreckens der ihn erregte. Er wartete auf ihren Schrei um ihn auszukosten.
Aber Bella hielt den Mund geschlossen und spannte ihren Körper. Er war überrascht – er hatte erwartet, dass sie versuchen würde, wegzurennen. Überrascht und ein wenig enttäuscht. Er mochte es, seiner Beute nach zu rennen, das Adrenalin der Jagd.
Diese hier ist mutig. Ich denke, dass ist vielleicht sogar besser… sie ist kämpferisch.
Ich war nur noch einen Block entfernt. Das Monster konnte jetzt das Dröhnen meines Motors hören, aber er beachtet ihn nicht, er war zu sehr auf sein Opfer versteift.
Mal sehen, wie er die Jagd fand, wenn er die Beute war. Mal sehen, was er von meiner Art zu jagen hielt.
In einem anderen Teil meiner Gedanken ging ich bereits die verschiedenen Foltermethoden durch, die ich in meinen Tagen der Selbstjustiz bezeugt hatte, um die schmerzvollste herauszusuchen. Er würde dafür leiden. Er würde sich vor Schmerz winden. Die anderen würden einfach nur sterben, aber das Monster das Lonnie hieß würde um seinen Tod betteln lange bevor ich ihm dieses Geschenk machen würde.
Ich war in der Straße, die ihre kreuzte.
Ich flog scharf um die Kurve, meine Scheinwerfer huschten über die Szenerie und ließen alle erstarren. Ich hätte den Anführer überfahren können, der zur Seite sprang, aber das war ein zu schneller Tod für ihn.
Der Wagen drehte sich und rutschte über die Fahrbahn, bis er wieder in die Richtung zeigte aus der ich gekommen war. Die Beifahrertür war Bella am nächsten und ich ließ sie aufschwingen. Sie rannte bereits zum Wagen.
„Steig ein,“ knurrte ich.
Was zum Teufel?
Ich wusste, dass das keine gute Idee ist! Sie ist nicht allein.
Soll ich rennen?
Ich glaub ich muss mich übergeben…
Bella sprang durch die offene Tür ohne zu zögern und schlug sie hinter sich zu.
Und dann sah sie mich an, mit dem vertrauensvollsten Blick den ich je an einem Menschen gesehen hatte und all meine brutalen Pläne fielen in sich zusammen.
Es dauerte weniger als eine Sekunde bis ich begriff, dass ich sie nicht im Wagen lassen konnte während ich mich um die vier Männer auf der Straße kümmerte. Was würde ich ihr sagen, nicht hinsehen? Hah! Wann tat sie jemals das was ich ihr sagte? Wann tat sie jemals etwas Sicheres?
Würde ich die Kerle wegzerren, weg aus ihrer Sichtweite, und sie hier alleine lassen? Es war eher unwahrscheinlich, dass ein weiterer gefährlicher Mensch heute Nacht durch die Straßen von Port Angeles schlich, aber der erste war genauso unwahrscheinlich gewesen! Wie ein Magnet zog sie alles Gefährlich an. Ich konnte sie nicht aus den Augen lassen.
Für sie wirkte es wie ein und dieselbe Bewegung als ich beschleunigte und sie so schnell von ihren Verfolgern wegbrachte, dass diese meinem Wagen nur mit einem verständnislosen Blick hinterher starrten. Sie hatte mein Zögern nicht bemerkte. Für sie sah es so aus, als wäre Flucht von Anfang an der Plan gewesen.
Ich konnte ihn nicht einmal anfahren. Das würde ihr Angst machen.
Ich wollte seinen Tod so verzweifelt, dass das Verlangen danach in meinen Ohren klingelte, meine Sicht vernebelte und wie ein bitterer Nachgeschmack auf meiner Zunge lag. Meine Muskeln waren von dem Druck angespannt, der Begierde, der Notwendigkeit. Ich musste ihn töten. Ich würde ihn langsam schälen, Stück für Stück, Haut von Muskel, Muskel von Knochen…
Allerdings saß da das Mädchen – das einzige Mädchen auf dieser Welt – dass sich mit beiden Händen in den Sitz krallte und mich anstarrte, ihre Augen immer noch geweitet und voller Vertrauen. Vergeltung würde warten müssen.
„Schnall dich an,“ befahl ich. Meine Stimme war rau vor lauter Hass und Blutdurst. Nicht der gewöhnliche Blutdurst. Ich würde mich nicht damit beflecken irgendeinen Teil dieses Mannes in mir aufzunehmen.
Sie schloss den Sicherheitsgurt und schreckte zusammen bei dem leisen Klicken. Dieses kleine Geräusch lies sie zusammenzucken, aber es störte sie nicht, dass ich durch die Straße jagte und alle Verkehrsregeln missachtete. Ich fühlte dass sie mich ansah. Sie wirkte seltsam entspannt. Das ergab keinen Sinn für mich – nicht nachdem was sie gerade erlebt hatte.
„Bist du okay?“ fragte sie, ihre Stimme war rau vor Aufregung und Angst.
Sie wollte wissen, ob ich okay war?
Ich dachte für den Bruchteil einer Sekunde über ihre Frage nach. Nicht lange genug für sie um das Zögern zu bemerken. War ich okay?
„Nein,“ bemerkte ich und mein Ton schäumte vor Wut.
Ich brachte sie zu derselben unbenutzten Einfahrt an der ich den Nachmittag verbracht hatte, beschäftigt mit der erbärmlichsten Überwachung überhaupt. Unter den Bäumen war sie jetzt schwarz.
Ich war so wütend, dass mein Körper erstarrte und ich bewegungslos dasaß. Meine eisigen Hände sehnten sich danach ihren Angreifer zu erschlagen, ihn in Stücke zu reißen und so zu verstümmeln, dass man seinen Körper nie mehr identifizieren könnte…
Aber das würde beinhalten, dass ich sie hier allein lassen musste, ungeschützt in der dunklen Nacht.
„Bella?“ fragte ich mit zusammengepressten Zähnen.
„Ja?“ erwiderte sie heiser. Sie räusperte sich.
„Geht es dir gut?“ das war das allerwichtigste, oberste Priorität. Vergeltung war zweitrangig. Ich wusste das, aber mein Körper war so voller Wut, dass ich kaum denken konnte.
„Ja.“ Ihre Stimme war immer noch belegt – vor Angst, kein Zweifel.
Also konnte ich sie nicht allein lassen.
Selbst wenn sie aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen mal nicht in dauernder Gefahr schwebte – ein blöder Scherz, den das Universum mit mir trieb - selbst wenn ich sicher sein konnte, dass sie in meiner Abwesenheit absolut sicher war, konnte ich sie in der Dunkelheit nicht allein lassen.
Sie musste schreckliche angst haben.
Dennoch war ich im Moment nicht in der Lage sie zu trösten – selbst wenn ich gewusst hätte wie man so etwas macht, was ich nicht wusste. Sicher würde sie die Gewaltbereitschaft spüren, die ich ausstrahlte, so viel war offensichtlich. Ich würde sie nur noch mehr ängstigen, wenn ich die Lust jemanden abzuschlachten, die in mir brodelte, nicht bändigen konnte.
Ich musste an etwas anderes denken.
„Lenk mich bitte ab,“ bat ich sie.
„Wie bitte?“
Ich hatte kaum genug Selbstkontrolle um ihr zu erklären, was ich brauchte.
„Plapper über irgendetwas unbedeutendes bis ich mich beruhigt habe,“ erklärte ich mit zusammengekniffenen Zähnen. Einzig die Tatsache, dass sie mich brauchte, hielt mich im Wagen. Ich konnte die Gedanken des Mannes hören, seine Enttäuschung, seine Wut… Ich wusste wo ich ihn finden konnte… Ich schloss meine Augen und wünschte mir, dass ich nichts sehen konnte…
„Ähm…“ Sie zögerte – ich vermute sie versuchte aus meiner Bitte schlau zu werden. „Ich werde wohl Tyler Crowley morgen nach der Schule überfahren?“ Sie sagte es, als wäre es eine Frage.
Ja – das war es was ich brauchte. Natürlich fing Bella mit etwas an, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Genau wie vorher klang der Hang zur Gewalt in ihrer Stimme eher belustigt – ein alberner Widerspruch. Wenn ich nicht innerlich gebrannt hätte vor lauter Verlangen jemanden zu töten, hätte ich gelacht.
„Warum?“ bellte ich um sie zum weitersprechen zu bewegen.
„Er erzählt überall herum, dass ich mit ihm zum Abschlussball gehen würde,“ sagte sie, ihre Stimme hatte wieder diesen wütenden Tiger-Kätzchen-Tonfall. „Entweder er ist total verrückt, oder er versucht immer noch es wieder gut zu machen, dass er mich fast getötet hätte, letzten… naja, du weißt schon wann,“ fügte sie trocken hinzu, „und irgendwie glaubt er, der Abschlussball wäre die beste Möglichkeit, das zu tun. Also hab ich mir gedacht, wenn ich sein Leben auch in Gefahr bringe, sind wir quitt, und er kann aufhören sich schuldig zu fühlen. Ich kann ganz gut auf Feinde verzichten und vielleicht hört Lauren auf Gift zu versprühen, wenn er mich in Ruhe lässt. Vielleicht muss ich aber auch seinen Sentra schrotten,“ fuhr sie gedankenverloren fort. „Wenn er kein Auto hat, kann er auch niemanden zum Abschlussball fahren…“
Es war ermutigend zu sehen, dass sie manche Dinge auch mal falsch verstand. Tylers Aufmerksamkeit hatte nichts mit dem Unfall zu tun. Sie schien nicht zu verstehen wie sie auf die menschlichen Jungs an der High School wirkte. Merkte sie auch nicht, wie sie auf mich wirkte?
Ah, es funktionierte. Ihre verblüffenden Gedankengänge zogen doch immer wieder meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich begann wieder die Kontrolle über mich zu gewinnen, etwas anderes als Rache und Folter zu sehen…
„Davon hab ich gehört,“ erzählte ich ihr. Sie hatte aufgehört zu reden und ich musste sie dazu bringen, dass sie weitersprach.
„Du hast davon gehört?“ fragte sie ungläubig. Und dann klang sie wütender als zuvor. „Wenn er vom Hals abwärts gelähmt ist kann er auch nicht zum Ball gehen.“
Ich wünschte es gäbe einen Weg sie zu bitten mit ihren Mordgelüsten und angedrohten Körperverletzungen fortzufahren ohne verrückt zu klingen. Sie hätte sich keine bessere Methode einfallen lassen können um mich zu beruhigen. Und ihre Worte – für sie reiner Sarkasmus, Übertreibung – waren eine Erinnerung die ich in diesem Moment herzlich gebrauchen konnte.
Ich seufzte und öffnete meine Augen.
„Besser?“ fragte sie ängstlich.
„Nicht wirklich.“
Nein, ich war ruhiger aber mir ging es nicht besser. Denn ich hatte gerade festgestellt, dass ich das Monster namens Lonnie nicht töten könnte, aber ich wollte es immer noch mehr als fast alles andere auf der Welt. Fast.
Das einzige was ich im Moment mehr wollte, als einen absolut berechtigten Mord zu begehen, war dieses Mädchen. Und, obwohl ich sie nicht haben konnte, machte der Traum sie zu haben es mir unmöglich heute Nacht auf Mordtour zu gehen – ganz egal wie gerechtfertigt diese Sache sein würde.
Bella verdiente etwas Besseres als einen Mörder.
Ich hatte sieben Jahrzehnte damit verbracht etwas anderes als das zu sein – alles andere als ein Mörder. Diese Jahrelange Anstrengung konnte mich dennoch nicht zu dem machen, den dieses Mädchen, das neben mir saß, verdiente. Und dennoch hatte ich das Gefühl, wenn ich zu diesem Leben zurückkehrte – das Leben eines Mörders – wenn auch nur für eine Nacht, würde ich sie für immer verlieren. Selbst wenn ich nicht ihr Blut trank – selbst wenn ich nicht das flammende Rot als Beweis in meinen Augen hätte – würde sie den Unterschied nicht bemerkten?
Ich versuchte gut genug für sie zu sein. Das war ein unmögliches Ziel. Aber ich würde es weiter versuchen.
„Was ist los?“ flüsterte sie.
Ihr Atem füllte meine Nase und erinnerte mich daran, warum ich sie nicht verdiente. Nach all dem was passiert war, sogar mit all der Liebe die ich für sie empfand… mir lief immer noch das Wasser im Munde zusammen.
Ich würde ihr soviel Ehrlichkeit geben wie ich konnte. Das schuldete ich ihr.
„Manchmal habe ich etwas Probleme mich zu beherrschen, Bella.“ Ich starrte in die schwarze Nacht und wünschte mir, dass sie den Schrecken in meiner Stimme hörte und gleichzeitig auch nicht. Der Wunsch sie würde es nicht hören, war stärker. Lauf, Bella, lauf. Bleib, Bella, bleib. „Aber es wäre nicht hilfreich, wenn ich zurückfahren und sie jagen würde…“ allein schon der Gedanke daran, ließ mich fast aus dem Wagen springen. Ich atmete tief durch und ließ ihren Duft meine Kehle hinunter brennen. „Jedenfalls, versuche ich mich davon zu überzeugen.“
„Oh.“
Sie sagte nichts weiter. Wie viel hatte sie aus meinen Worten herausgehört? Ich schielte heimlich zu ihr herüber, aber in ihrem Gesicht war nichts zu lesen. Ausdruckslos vor Schock, vielleicht. Naja, sie schrie wenigstens nicht. Noch nicht.
Für einen Moment war es still. Ich rang mit mir selbst bei dem Versuch etwas zu sein was ich sein sollte. Was ich nicht sein konnte.
„Jessica und Angela werden sich Sorgen machen,“ sagte sie leise. Ihre Stimme klang sehr ruhig und ich war mir nicht sicher, wie das sein konnte. Stand sie unter Schock? Vielleicht hatte sie die Geschehnisse des heutigen Abends noch nicht ganz realisiert? „Wir wollten uns treffen.“
Wollte sie weg von mir? Oder machte sie sich nur Gedanken, um die Sorge ihrer Freunde?
Ich antwortete ihr nicht, sondern startete den Wagen und fuhr zurück. Mit jedem Schritt den ich der Stadt näher kam, wurde es schwerer mich an meine Vorsätze zu halten. Ich war schon viel zu nah an ihm dran…
Wenn es unmöglich war – wenn ich dieses Mädchen niemals haben oder verdienen könnte – wo war dann der Sinn darin, diesen Kerl unbeschadet davon kommen zu lassen? Bestimmt würde ich mir soviel erlauben können…
Nein. Ich würde nicht aufgeben. Noch nicht. Ich wollte sie zu sehr um zu kapitulieren.
Wir waren bereits an dem Restaurant an dem sie ihre Freunde treffen wollte, bevor ich überhaupt den Sinn meiner Gedanken verstand. Jessica und Angela hatten schon zu Ende gegessen und waren nun beide ehrlich besorgt um Bella. Sie machten sich gerade auf den Weg um nach ihr zu suchen und gingen die dunkle Straße hinunter.
Es war keine gute Nacht für sie um alleine herumzulaufen –
„Woher wusstest du, wo…?“ Bellas nicht beendete Frage unterbrach mich und ich bemerkte dass ich schon wieder einen Fauxpas begangen hatte. Ich war zu abgelenkt gewesen um sie zu fragen wo sie sich mit ihren Freunden treffen wollte.
Aber anstatt, die Frage zu beenden und auf einer Antwort zu beharren, schüttelte Bella nur ihren Kopf und lächelte leicht.
Was hatte das nun wieder zu bedeuten?
Naja, ich hatte keine Zeit über ihre seltsame Akzeptanz meines noch seltsameren Wissens zu rätseln. Ich öffnete meine Tür.
„Was machst du?“ fragte sie verwirrt.
Dich nicht aus den Augen lassen. Mir nicht erlauben heute Nacht allein zu sein. In dieser Reihenfolge. „Ich lade dich zum Essen ein.“
Naja, das würde interessant werden. Es wirkte als wäre es eine andere Nacht gewesen, in der ich mir überlegt hatte, Alice mitzubringen und so zu tun als hätte ich zufällig das selbe Restaurant ausgewählt wie Bella und ihre Freundinnen. Und jetzt stand ich hier und hatte praktisch eine Verabredung mit dem Mädchen. Obwohl es nicht wirklich zählte da ich ihr nicht die Gelegenheit gab, abzulehnen.
Sie hatte ihre Tür schon halb geöffnet, bevor ich um das Auto herum war – normalerweise war es nicht allzu frustrierend sich in einer unauffälligen Geschwindigkeit zu bewegen – statt darauf zu warten, dass ich das für sie tat. Tat sie das weil sie es nicht gewohnt war wie eine Dame behandelt zu werden oder weil sie mich nicht für einen Gentleman hielt?
Ich wartete auf sie während ich beobachtete wie ihre Freundinnen fast um die dunkle Ecke verschwanden.
„Würdest du bitte Jessica und Angela davon abhalten nach dir zu suchen, bevor ich sie auch noch retten muss?“ bat ich sie schnell. „Ich glaube nicht, dass ich mich beherrschen kann, wenn ich deinen anderen Freunden noch einmal begegne.“ Nein, dafür wäre ich nicht stark genug.
Sie zuckte zusammen und fasste sich dann schnell wieder. Sie machte einen Schritt in ihre Richtung und rief, „Jess! Angela!“ mit kräftiger Stimme. Sie drehten sich um und sie wedelte mit ihrem Arm über ihrem Kopf herum um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Bella! Es geht ihr gut! Dachte Angela erleichtert.
Ziemlich spät. Grummelte Jessica vor sich hin, aber auch sie war dankbar, dass Bell nichts zugestoßen war. Das machte sie etwas sympathischer.
Sie eilten zurück und blieben dann abrupt stehen, geschockt, als sie mich neben ihr sahen.
Oh – oh! Dachte Jess, überrascht. Auf keinen Fall!
Edward Cullen? Ist sie alleine losgegangen um ihn zu suchen? Aber warum sollte sie sich danach erkundigen, dass sie nicht in der Stadt waren, wenn sie wusste, dass er hier war… Ich erhaschte einen kurzen Blick auf Bellas gekränktes Gesicht als sie Angela gefragt hatte, ob meine Familie öfter mal der Schule fernblieb. Nein, sie konnte es nicht gewusst haben, entschied Angela.
Jessicas Gedanken hatte die Überraschung überwunden und begannen mit den Spekulationen. Bella verheimlicht mir etwas.
„Wo warst du?“ fragte sie. Sie schaute Bella an aber beobachtete mich aus den Augenwinkeln.
„Ich hatte mich verlaufen. Und dann habe ich Edward getroffen,“ sagte Bella und wedelte mit einer Hand in meine Richtung. Ihre Stimme klang seltsam normal. Als wäre das wirklich alles was passiert war.
Sie musste einfach unter Schock stehen. Das war die einzige Erklärung für ihre Ruhe.
„Wäre es in Ordnung, wenn ich mich euch anschließen würde?“ fragte ich – um höflich zu sein; ich wusste, dass sie bereits gegessen hatten.
Heilige Scheiße, ist der heiß! Dachte Jessica, ihre Gedanken waren plötzlich unzusammenhängend.
Angela war nicht viel mehr gefasst. Ich wünschte wir hätten noch nicht gegessen. Wow. Einfach nur. Wow.
Warum konnte Bella nicht so auf mich reagieren?
„Äh… klar,“ stimmte Jessica zu.
Angelas Blick wurde etwas düster. „Ähm, eigentlich haben wir schon gegessen, während wir auf dich gewartet haben, Bella,“ gab sie zu. „Tut mir leid.“
Was? Halt die Klappe! Beschwerte sich Jessica innerlich.
Bella zuckte lässig mit den Schultern. So ungezwungen. Definitiv unter Schock. „Das ist ok – ich hab sowieso keinen Hunger.“
„Ich denke, du solltest etwas essen,“ wiedersprach ich. Sie brauchte Zucker für ihren Kreislauf – obwohl ihr Blut süß genug roch, so wie es war, dachte ich ironisch. Das Entsetzen würde sie jeden Moment packen und ein leerer Magen würde da nicht helfen. Sie wurde leicht ohnmächtig wie ich aus Erfahrung wusste.
Diese Mädchen waren nicht in Gefahr wenn sie sich sofort auf den Heimweg machen würden. Die Gefahr verfolgte nicht jeden ihrer Schritte.
Und ich wäre lieber allein mit Bella – so lange sie auch mit mir allein sein wollte.
„Würde es dir etwas ausmachen, wenn ich Bella heute nach Hause fahre?“ sagte ich zu Jessica bevor Bella etwas entgegnen konnte. „Dann müsstet ihr nicht warten, während sie isst.“
„Äh, nein, das ist kein Problem, denke ich…“ Jessica schaute Bella intensiv an und hielt nach einem Anzeichen dafür Ausschau, dass es das war was sie wollte.
Ich würde so gern bleiben… aber sie will ihn vermutlich für sich allein haben. Wer würde das nicht wollen? Dachte Jess. Zur gleichen Zeit, sah sie wie Bella ihr zuzwinkerte.
Bella zwinkerte?
„Okay,“ sagte Angela schnell, sie hatte es eilig zu verschwinden, wenn es das war, was Bella wollte. Und es schien, dass sie es wirklich wollte. „Wir sehen uns dann morgen, Bella… Edward.“ Sie bemühte sich meinen Namen so lässig wie möglich auszusprechen. Dann griff sie nach Jessicas Hand und zog sie von uns weg.
Ich würde einen Weg finden müssen um Angela dafür zu danken.
Jessicas Auto stand nicht weit entfernt in dem Lichtkegel einer Straßenlaterne. Bella beobachtete sie genau, bis sie im Wagen waren, eine kleine Sorgenfalte auf der Stirn. Sie musste sich also sehr wohl im Klaren darüber sein, in was für einer Gefahr sie sich befunden hatte. Jessica winkte noch einmal als sie davon fuhr und Bella winkte zurück. Erst als der Wagen verschwunden war, atmete sie tief durch und wandte sich zu mir um.
„Ehrlich, ich bin nicht hungrig,“ sagte sie.
Warum hatte sie gewartet bis sie weg waren um zu reden? Wollte sie wirklich mit mir allein sein – sogar jetzt, nachdem sie meine mörderische Wut bezeugt hatte?
Ob das nun der Fall war oder nicht, sie würde etwas essen.
„Tu mir den Gefallen,“ sagte ich.
Ich öffnete ihr die Restauranttür und wartete.
Sie seufzte und trat ein.
Ich ging neben ihr zu dem Podium an dem die Hostess stand. Bella wirkte immer noch vollkommen selbstbeherrscht. Ich wollte ihre Hand berühren, ihre Stirn, um ihre Temperatur zu überprüfen. Aber sie würde vor meiner kalten Hand zurückschrecken wie zuvor.
Oh, Mann, die recht laute mentale Stimme der Hostess drang in mein Bewusstsein. Oh Mann, oh Mann.
Heute Nacht verdrehte ich einige Köpfe. Oder bemerkte ich es heute nur so intensiv, weil ich so sehr wollte, dass Bella mich so sah? Wir wirkten immer besonders anziehend auf unsere Beute. Ich hatte nie besonders darüber nachgedacht. Normalerweise – es seih denn man versuchte wiederholt, wie Shelly Cope und Jessica Stanley, den Schrecken zu übersehen – gewann die Angst recht schnell die Oberhand über die anfänglichen Anziehung…
„Ein Tisch für zwei?“ bat ich, als die Hostess nichts sagte.
„Oh, äh, ja. Willkommen im La Bella Italia.“ Mmm! Was für eine Stimme! „Folgen sie mir bitte.“ Ihre Gedanken waren abwesend – abschätzend.
Vielleicht ist sie seine Kusine. Sie kann nicht sein Schwester sein, sie sehen sich kein bisschen ähnlich. Aber auf jeden Fall verwandt. Er kann nicht mit ihr zusammen sein.
Der menschliche Blick war getrübt; sie sahen nicht klar. Wie konnte diese kleingeistige Frau meine Erscheinung – eine Falle für die Beute – so attraktive finden aber trotzdem nicht in der Lage sein, die sanfte Perfektion des Mädchens neben mir zu sehen?
Naja, man muss ihr ja nicht auch noch helfen, nur für den Fall, dachte die Hostess während sie uns an einen Vier-Personen Tisch in der Mitte des überfüllten Teils des Restaurants führte. Kann ich ihm meine Nummer geben, wenn sie daneben sitzt…? Grübelte sie.
Ich zog einen Schein aus meiner hinteren Hosentasche. Menschen waren besonders kooperativ, wenn Geld mit im Spiel war.
Bella war bereits im Begriff sich zu setzen. Ich schüttelte meinen Kopf in ihre Richtung und sie zögerte während sie ihren Kopf verwirrt zur Seite neigte. Ja, sie würde heute Nacht noch verwirrter sein. Eine Menschenmenge war nicht der ideale Ort für so eine Unterhaltung.
„Vielleicht hätten Sie einen etwas ruhigeren Tisch für uns?“ fragte ich die Dame und reichte ihr den Schein. Ihre Augen weiteten sich vor Überraschung und verengten sich wieder als sie den Schein entgegen nahm.
„Natürlich.“
Sie schielte auf den Schein, während sie uns hinter eine Trennwand führte.
Fünfzig Dollar für einen besseren Tisch? Reich ist er auch noch. Das macht Sinn – ich wette seine Jacke ist mehr wert als mein letzter Gehaltscheck. Verdammt. Warum will er mit ihr allein sein?
Sie bot uns einen Tisch in einer ruhigen Ecke des Restaurants an, wo uns niemand sehen konnte – wo niemand Bellas Reaktion sehen konnte auf was immer ich ihr erzählen würde. Ich hatte keine Ahnung, was sie heute von mir wissen wollen würde. Oder was ich ihr preisgeben würde.
Wie viel hatte sie bereits erahnt? Welche Erklärungen der heutigen Ereignisse hatte sie sich selbst zusammengereimt?
„Wie wäre dieser Tisch?“ fragte die Hostess.
„Perfekt,“ beteuerte ich ihr und, etwas genervt von ihrem herablassenden Verhalten Bella gegenüber, lächelte ich sie breit an und zeigte meine Zähne. Damit sie mich richtig sah.
Whoa. „Ähm… ihre Kellnerin wird sofort bei ihnen sein.“ Er kann nicht echt sein. Ich muss träumen. Vielleicht verschwindet sie… vielleicht sollte ich meine Nummer mit Ketchup auf seinen Teller schreiben… Sie wandte sich ab und wankte leicht davon.
Seltsam. Sie hatte immer noch keine Angst. Ich erinnerte mich plötzlich daran wie Emmett mich vor so vielen Wochen in der Cafeteria aufgezogen hatte. Ich wette ich hätte ihr mehr Angst einjagen können als du.
Verlor ich meinen Schrecken?
„Du solltest wirklich aufhören so etwas mit den Menschen zu machen,“ unterbrach Bella missbilligend meine Gedanken. „Das ist wirklich nicht fair.“
Ich sah ihren kritischen Gesichtsausdruck. Was meinte sie? Ich hatte die Dame nicht verängstigt, obwohl ich es vorgehabt hatte. „Was mache ich denn?“
„Leute so zu blenden – sie hyperventiliert vermutlich gerade in der Küche.“
Hmm. Bella lag fast richtig. Die Hostess war im Moment wenig zusammenhängend, während sie ihre inkorrekte Beschreibung von mir ihren Kollegen zum Besten gab.
„Ach, komm schon,“ zog Bella mich auf, als ich nicht direkt antwortete. „Du musst doch wissen, wie du auf die Mensch wirkst.“
„Ich blende die Leute?“ Das war eine interessante Umschreibung. Korrekt genug für heute Abend. Ich frag mich, warum es so anders war…
„Du hast es nicht bemerkt?“ fragte sie kritisch. „Glaubst du jeder bekommt so einfach was er will?“
„Blende ich dich?“ meine Neugier brach aus mir heraus bevor ich die Worte zurückhalten konnte.
Aber bevor ich wirklich bereuen konnte die Worte ausgesprochen zu haben, antwortete sie, „Manchmal.“ Und ihre Wangen bekamen einen leichten Rotton.
Ich blendete sie.
Mein stummes Herz schwoll vor einer so intensiven Hoffnung an die ich noch nie zuvor empfunden hatte.
„Hallo,“ sagte jemand. Die Kellnerin. Ihre Gedanken waren lauter und expliziter als die der Hostess, aber ich blendete sie aus. Stattdessen starrte ich auf Bellas Gesicht, beobachtete wie das Blut unter ihrer Haut floss, bemerkte nicht, wie es in meiner Kehle brannte, aber bemerkte sehr wohl wie es ihr blasses Gesicht erhellte, wie es ihre cremige Haut betonte…
Die Kellnerin wartete auf etwas von mir. Ah, sie hatte gefragt, was wir trinken wollten. Ich schaute immer noch auf Bella und die Kellnerin wandte sich ihr fluchend zu.
„Ich nehme eine Cola?“ sagte Bella, als ob sie um Erlaubnis fragte.
„Zwei Cola,“ bestellte ich. Durst – normaler, menschlicher Durst – war ein Zeichen von Schock. Ich würde sichergehen, dass sie den Zucker aus der Cola in ihren Kreislauf aufnahm.
Sie sah ziemlich gesund aus. Mehr als gesund. Sie sah blendend aus.
„Was?“ verlangte sie – sie fragte sich wohl, warum ich sie anstarrte. Ich hatte kaum mitbekommen, dass die Kellnerin gegangen war.
„Wie fühlst du dich?“ fragte ich.
Die Frage überraschte sie. „Mir geht es gut.“
„Du fühlst dich nicht schwindelig, schlecht, kalt?“
Das verwirrte sie noch mehr. „Sollte ich?“
„Naja, ehrlichgesagt warte ich darauf, dass du einen Schock bekommst.“ Ich lächelte leicht und erwartete ihren Wiederspruch. Sie wollte nicht, dass man sich um sie kümmerte.
Sie brauchte eine Minute um mir zu antworten. Ihr Blick war irritiert. So schaute sie manchmal wenn ich sie anlächelte. War sie… geblendet?
Das würde ich nur zu gerne glauben.
„Ich glaube nicht, dass das passiert. Ich war schon immer gut darin unangenehme Dinge auszublenden,“ antwortete sie ein wenige atemlos.
Hatte sie viel Erfahrung mit unangenehmen Dingen? War ihr Leben immer so gefährlich?
„Ich fühle mich besser, wenn du etwas Zucker und Essen zu dir genommen hast.“
Die Kellnerin brachte die Colas und einen Korb mit Brot. Sie stellte alles ab und versuchte Augenkontakt mit mir herzustellen während sie nach meiner Bestellung fragte. Ich gab ihr zu verstehen, dass sie sich auf Bella konzentrieren sollte und blendete sie dann wieder aus. Ihre Gedanken waren vulgär.
„Ähm…“ Bella warf einen kurzen Blick auf die Speisekarte. „Ich nehme die Pilzravioli.“
Die Kellnerin wandte sich sofort wieder zu mir um. „Und für dich?“
„Ich nehme nichts, danke.“
Bella machte ein beleidigtes Gesicht. Hmm. Sie musste bemerkt haben dass ich nie aß. Sie bemerkte alles. Und ich vergaß in ihrer Gegenwart immer vorsichtig zu sein.
Ich wartete, bis wir wieder allein waren.
„Trink,“ ermahnte ich sie.
Ich war überrascht, als sie sofort reagierte ohne Wiederworte zu geben. Sie trank das Glas in einem Zug leer, also schob ich ihr stirnrunzelnd die zweite Cola herüber. Durst oder Schock?
Sie trank noch ein paar Schlucke und schüttelte sich kurz.
„Ist dir kalt?“
„Nur die Cola,“ sagte sie, aber sie zitterte wieder und ihre Lippen bebten leicht als würden ihre Zähne gleich anfangen zu klappern.
Die schöne Bluse die sie trug war zu dünn um sie zu schützen. Sie lag an ihr wie eine zweite Haut und war genauso zart wie die erste. Sie war so schwach, so sterblich. „Hast du keine Jacke dabei?“
„Doch.“ Sie sah sich etwas verwundert um. „Oh – Ich hab sie in Jessicas Wagen liegen lassen.“
Ich zog meine Jacke aus und hoffte, dass die Geste nicht durch meine Körpertemperatur geschmälert wurde. Es wäre schön gewesen ihr einen warmen Mantel anbieten zu können. Sie schaute mich wieder mit leicht erröteten Wangen an. Was dachte sie jetzt?
Ich reichte ihr die Jacke über den Tisch und sie zog sie sofort an, dann zitterte sie wieder.
Ja, es wäre schön warm zu sein.
„Danke,“ sagte sie. Sie atmete tief ein und schob dann die Ärmel der Jacke soweit hoch, dass sie ihre Hände frei bekam. Dann atmete sie wieder tief durch.
Wurden ihr die Geschehnisse des heutigen Abends endlich bewusst? Ihr Gesichtsfarbe war immer noch normal; ihre Haut war cremig und rosig neben dem dunklen Blau ihrer Bluse.
„Die Farbe Blau hebt deinen Hautton sehr schön hervor,“ bemerkte ich. Ich war nur ehrlich.
Sie errötete und verstärkte dadurch den Effekt.
Sie sah gesund aus, aber das war kein Grund so zu tun, als wäre nichts gewesen. Ich schob ihr den Korb mit Brot zu.
„Ehrlich,“ wiedesprach sie, als sie erriet was ich vorhatte. „Ich bekomme keinen Schock.“
„Das solltest du aber – ein normaler Mensch würde einen Schock bekommen. Du siehst nicht einmal verängstigt aus.“ Ich beobachtete sie, abschätzend und fragte mich, warum sie nicht normal sein konnte und dann, ob ich das wirklich wollte.
„Ich fühle mich sicher bei dir,“ sagte sie und ihre Augen waren wieder voller Vertrauen. Vertrauen das ich nicht verdiente.
Ihre Instinkte waren vollkommen falsch – entgegengesetzt. Das musste das Problem sein. Sie sah die Gefahr nicht so wie ein menschliches Wesen sie sehen sollte. Sie hatte die gegenteilige Reaktion. Anstatt zu rennen, verweilte sie, angezogen von dem was sie ängstigen sollte…
Wie sollte ich sie vor mir selbst schützen wenn keiner von uns beiden das wollte?
„Das ist komplizierter als ich gedacht hätte,“ murmelte ich.
Ich konnte sehen wie sie meine Worte in ihrem Kopf drehte und wendete und ich fragte mich, was sie daraus machte. Sie nahm eine Brotstangen und begann zu essen, ohne es wirklich zu bemerken. Sie kaute einen Moment und legte ihren Kopf dann gedankenverloren zur Seite.
„Normalerweise bist du besser gelaunt, wenn deine Augen so hell sind,“ sagte sie ihn einem lässigen Tonfall.
Ihre Beobachtung, so selbstverständlich ausgesprochen, lies mich taumeln. „Was?“
„Du bist immer sehr schlecht gelaunt, wenn deine Augen schwarz sind – dann rechne ich damit. Ich hab eine Theorie dazu,“ fügte sie leichthin hinzu.
Also hatte sie sich ihre eigenen Theorien zusammengebastelt. Natürlich hatte sie das. Ich bekam ein wenig Angst als ich versuchte mir vorzustellen wie nahe sie der Wahrheit gekommen sein könnte.
„Mehr Theorien?“
„Mm-hm.“ Sie kaute einen weiteren Bissen, absolut unbekümmert. Als ob sie nicht gerade die Eigenschaften eines Monster mit dem Monster selbst besprechen würde.
„Ich hoffe, du warst diesmal etwas kreativer…“ log ich, als sie nicht weitersprach. Was ich wirklich hoffte war, dass sie falsch lag – Meilenweit von der Wahrheit entfernt. „Oder klaust du immer noch aus Comics?“
„Naja, nein, ich hab es nicht aus einem Comic,“ sagte sie etwas verschämt. „Aber ich bin auch nicht ganz allein darauf gekommen.“
„Und?“ fragte ich durch meine Zähne.
Sie würde bestimmt nicht so locker reden, wenn sie kurz davor war zu schreien.
Als sie sich zögernd auf die Lippe biss, kam die Kellnerin mit ihrem Essen um die Ecke. Ich beachtete sie kaum als sie den Teller vor Bella abstellte und fragte, ob ich noch etwas bräuchte.
Ich verneinte, bestellte aber noch etwas Cola. Die Kellnerin hatte die leeren Gläser nicht bemerkt. Sie nahm sie an sich und verschwand.
„Du wolltest etwas sagen?“ brachte ich ungeduldig hervor sobald wir wieder allein waren.
„Ich erzähl es dir im Auto,“ sagte sie leise. Ah, das würde böse werden. Sie wollte ihre Vermutung nicht vor anderen aussprechen. „Wenn…“ fuhr sie plötzlich fort.
„Es gibt Bedingungen?“ ich war so gespannt, dass ich die Worte fast knurrte.
„Ich hab natürlich ein paar Fragen.“
„Natürlich,“ stimmte ich mit fester Stimme zu.
Ihr Fragen würden vielleicht ausreichen um mir zu zeigen in welche Richtung ihre Theorie ging. Aber wie sollte ich sie beantworten? Mit vertretbaren Lügen? Oder würde ich sie mit der Wahrheit davon kommen lassen? Oder würde ich gar nichts sagen, da ich mich nicht entscheiden konnte?
Wir saßen uns stumm gegenüber während die Kellnerin zwei weitere Colas brachte.
„Na dann leg mal los,“ sagte ich, als sie wieder verschwunden war und biss die Zähne zusammen.
„Warum bist du in Port Angeles?“
Das war eine zu einfache Frage – für sie. Die Frage verriet nichts, wohingegen meine Antwort viel zu viel verraten würde. Sie sollte zuerst etwas aufdecken.
„Nächste,“ sagte ich.
„Aber das ist doch die einfachste!“
„Nächste,“ sagte ich wieder.
Meine Ablehnung frustrierte sie. Sie wandte den Blick von mir ab und schaute auf ihr Essen. Während sie scharf nachdachte, nahm sie einen Bissen und kaute sorgfältig. Sie spülte den Bissen mit etwas Cola hinunter und sah wieder zu mir auf. Ihre Augen waren zu schmalen Schlitzen zusammengekniffen während sie überlegte.
„Na gut, dann,“ sagte sie, „sagen wir mal, rein hypothetisch natürlich, jemand… weiß was andere Menschen denken, kann ihre Gedanken lesen, sowas in der Art – mit ein paar Ausnahmen.“
Es könnte schlimmer sein.
Das erklärte das kleine Lächeln im Auto. Sie war schnell – bisher hatte das noch niemand von mir erraten. Abgesehen vor Carlisle, aber damals war es ziemlich offensichtlich gewesen, als ich zu Beginn alle seine Gedanken beantwortet hatte, als hätte er sie laut ausgesprochen. Er verstand es bevor ich es verstand…
Die Frage war nicht so schlimm. Da klar war, dass sie wusste, dass mit mir etwas nicht stimmte, war diese Frage nicht so ernst. Gedankenlesen war immerhin keine typische Eigenschaft für Vampire. Ich ging auf ihre Hypothese ein.
„Nur eine Ausnahme,“ korrigierte ich. „Hypothetisch.“
Sie unterdrückte ein Lächeln – meine vage Ehrlichkeit gefiel ihr. „Na gut, mit einer Ausnahme also. Wie funktioniert das? Wo sind die Grenzen? Wie könnte… dieser Jemand… jemand anderen zu genau der richtigen Zeit finden? Wie könnte er wissen, dass sie in Gefahr war?“
„Hypothetisch?“
„Klar.“ Ihre Lippen zuckten und ihre flüssigen braunen Augen schauten mich begierig an.
„Naja,“ ich zögerte. „Wenn… dieser Jemand…“
„Sagen wir, er heißt Joe,“ schlug sie vor.
Ich musste über ihren Enthusiasmus lächeln. Glaubte sie wirklich die Wahrheit wäre etwas Gutes? Wenn meine Geheimnisse angenehm wären, warum sollte ich sie dann vor ihr bewahren?
„Also dann Joe,“ stimmte ich zu. „Wenn Joe gut aufpasste müsste das Timing gar nicht mal so gut sein.“ Ich schüttelte meinen Kopf und unterdrückte einen Schauer bei dem Gedanken, dass ich heute beinahe zu spät gekommen wäre. „Nur du kannst in einer so kleinen Stadt in Schwierigkeiten geraten. Du hättest ihre Verbrechensrate für die nächsten Jahrzehnte in die Höhe getrieben.“
Ihre Mundwinkel senkten sich und sie zog einen Schmollmund. „Wir haben von einem rein hypothetischen fall gesprochen.“
Ich lachte über ihren Ärger.
Ihre Lippen, ihre Haut… sie sahen so weich aus. Ich wollte sie berühren. Ich wollte mit meinen Fingerspitzen ihre Mundwinkel berühren und sie wieder nach oben ziehen. Unmöglich. Meine Haut würde abstoßend auf sie wirken.
„Ja, stimmt,“ sagte ich um zu der Unterhaltung zurückzukommen bevor ich mich noch mehr deprimierte. „Sollen wir dich Jane nennen?“
Sie beugte sich über den Tisch zu mir herüber, jedwede Belustigung und Verunsicherung waren aus ihrem Blick gewichen.
„Woher wusstest du es?“ fragte sie mit ruhiger und fester Stimme.
Sollte ich ihr die Wahrheit sagen? Und wenn ja, wie viel?
Ich wollte es ihr sagen. Ich wollte das Vertrauen verdienen, dass ich immer noch in ihrem Gesicht sah.
„Du kannst mir vertrauen, weißt du,“ flüsterte sie und streckte eine Hand aus, als wolle sie meine Hände berühren, die gefaltet auf dem leeren Tisch vor mir lagen.
Ich zog sie zurück – ich hasste die Vorstellung ihrer Reaktion auf meine kalte, steinerne Haut – und sie ließ ihre Hand fallen.
Ich wusste, dass ich darauf vertrauen konnte, dass sie meine Geheimnisse bewahrte; sie war absolut vertrauenswürdig, durch und durch gut. Aber ich konnte nicht darauf vertrauen, dass sie nicht entsetzt sein würde. Sie sollte entsetzt sein. Die Wahrheit war Entsetzlich.
„Ich weiß nicht, ob ich noch die Wahl habe,“ murmelte ich. Ich erinnerte mich daran, dass ich sie mal damit aufgezogen hatte, dass sie `sehr unaufmerksam` war. Ich hatte sie damit beleidigt, wenn ich ihren Gesichtsausdruck richtig gedeutet hatte. Naja, ich konnte diese Fehleinschätzung korrigieren. „Ich lag falsch – du bist viel aufmerksamer als ich dir zugetraut hatte.“ Und obwohl sie es vielleicht nicht bemerkt hatte, ich traute ihr eine Menge zu. Ihr entging nichts.
„Ich dacht, du hättest immer recht,“ sagte sie und zog mich lächelnd auf.
„Normalerweise schon.“ Normalerweise wusste ich was ich tat. Normalerweise war ich mir der Dinge sicher. Und jetzt war alles Chaos und Tumult.
Dennoch würde ich es nicht eintauschen wollen. Ich wollte nicht das Leben, das Sinn machte. Nicht wenn Chaos bedeutete, bei Bella zu sein.
„Ich lag falsch was dich angeht und noch bei einer anderen Sache,“ fuhr ich fort und wechselte gleich das Thema. „Du bist kein Magnet für Unfälle – das ist nicht ganz die Richtige Bezeichnung. Du bist ein Magnet für Gefahren. Wenn es im Umkreis von zehn Meilen irgendeine Gefahr gibt, wird sie dich finden.“ Warum sie? Was hatte sie getan um das alles zu verdienen?
Bellas Gesichtsausdruck wurde wieder ernst. „Und du zählst dich selbst auch zu diesen Gefahren?“
Auf diese Frage ehrlich zu antworten war wichtiger als alles andere. „Eindeutig.“
Ihre Augen verengten sich leicht – nicht argwöhnisch diesmal, sondern seltsam betroffen. Sie streckte ihre Hand wieder über den Tisch, langsam und ganz bewusst. Ich zog meine Hand ein Stück zurück, aber sie ignorierte es, sie war entschlossen mich zu berühren. Ich hielt den Atem an – nicht wegen ihres Duftes, sondern wegen der plötzlichen überwältigenden Anspannung. Angst. Meine Haut würde sie abschrecken. Sie würde davonlaufen.
Sie strich sanft mit ihren Fingerspitzen über meinen Handrücken. Die Hitze ihrer sanften, freiwilligen Berührung war mit nichts zu vergleichen dass ich je zuvor gefühlt hatte. Es war fast reine Freude. Hätte es sein können, wenn ich nicht solche Angst gehabt hätte. Ich beobachtete ihr Gesicht, als sie meine kalte steinerne Haut berührte und war immer noch nicht in der Lage zu atmen.
Ihre Mundwinkel hoben sich zu einem kleinen Lächeln.
„Danke,“ sagte sie und erwiderte meinen Blick. „Das war schon das zweite Mal.“
Ihre weichen Finger verweilten auf meiner Hand als ob es ihnen dort gefiel.
Ich antwortete ihr so locker ich konnte. „Wir sollten es nicht auf ein drittes Mal ankommen lassen, einverstanden?“
Sie verzog ein bisschen das Gesicht, nickte aber.
Ich zog meine Hand unter ihrer weg. So wunderbar wie sich ihre Berührung angefühlt hatte, wollte ich nicht darauf warten, dass die Magie ihrer Toleranz verschwand und sich in Abscheu verwandelte. Ich versteckte meine Hände unter dem Tisch.
Ich las in ihren Augen; obwohl ihre Gedanken stumm waren, konnte ich Vertrauen und Bewunderung in ihnen erkennen. In diesem Moment bemerkte ich, dass ich ihre Fragen beantworten wollte. Nicht weil ich es ihr schuldete. Nicht weil ich wollte, dass sie mir vertraute.
Ich wollte, dass sie mich kannte.
„Ich bin dir nach Port Angeles gefolgt,“ sagte ich ihr, die Worte sprudelten so schnell aus mir heraus, dass ich sie nicht überdenken konnte. Ich kannte die Gefahren der Wahrheit, das Risiko das ich einging. Jeden Moment konnte ihre unnatürliche Gelassenheit in Hysterie umschwenken. Aber das brachte mich nur dazu, noch schneller zu sprechen. „Ich habe noch nie zuvor versucht jemanden zu beschützen und es ist schwieriger als ich gedacht hätte. Aber das liegt vermutlich nur daran, dass du es bist. Normale Menschen scheinen den Tag ohne größere Katastrophen zu überstehen.“
Ich beobachtete sie abwartend.
Sie lächelte. Ihre Mundwinkel hoben sich und ihre Schokoladen-Augen wurden warm.
Ich hatte gerade zugegeben, dass ich sie verfolgte und sie lächelte.
„Hast du je darüber nachgedacht, dass meine Tage beim ersten Mal schon gezählt waren, als der Van auf mich zukam und du ins Schicksal eingegriffen hast?“ fragte sie.
„Das war nicht das erste Mal,“ sagte ich und starrte auf den dunklen Tisch, meine Schultern beschämt gesenkt. „Deine Tage waren gezählt, als ich dich das erste Mal gesehen habe.“
Es war die Wahrheit und es erzürnte mich. Ich hing über ihrem Leben wie die Klinge einer Guillotine. Es war als wäre sie von einem grausamen, ungerechten Schicksal zum Tode verurteilt und – nachdem ich mich als unbrauchbares Werkzeug erwiesen hatte –versuchte dieses Schicksal immer wieder sie zu töten. Ich versuchte mir dieses Schicksal bildlich vorzustellen – eine grausige, eifersüchtige Hexe, eine rachsüchtige Harpyie.
Ich wollte etwas oder jemanden haben, der dafür verantwortlich war – damit ich etwas Konkretes hatte, gegen das ich kämpfen konnte. Irgendetwas zum vernichten, damit Bella sicher war.
Bella war sehr ruhig; ihr Atem ging schneller.
Ich sah zu ihr auf, wohlwissentlich dass ich endlich die Angst sehen würde auf die ich so lange gewartet hatte. Hatte ich nicht gerade zugegeben wie nah ich daran gewesen war sie zu töten? Näher als der Van der versucht hatte sie zu zerquetschen. Und doch war ihr Gesicht immer noch entspannt, ihre Augen nur verwundert zusammengezogen.
„Erinnerst du dich?“ Sie musste sich daran erinnern.
„Ja,“ sagte sie mit klarer fester Stimme. Ihre tiefen Augen waren voller Erkenntnis.
Sie wusste es. Sie wusste, dass ich sie hatte töten wollen.
Wo blieben die Schreie?
„Und dennoch sitzt du hier,“ sagte ich und brachte die Tatsache auf den Punkt.
„Ja, ich sitze hier… wegen dir.“ Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich, wurde neugierig, als sie grob das Thema wechselte. „Weil du irgendwie wusstest, wie du mich heute finden konntest…?“
Hoffnungslos versuchte ich ein weiteres Mal durch die Barriere zu brechen die ihre Gedanken abschirmte, ich wollte sie so verzweifelt verstehen. Es ergab alles keinen Sinn für mich. Wie konnte sie sich darüber noch Gedanken machen, nachdem die Wahrheit so deutlich auf dem Tisch lag?
Sie wartete nur neugierig. Ihre Haut war blass, was normal für sie war, aber es beunruhigte mich dennoch. Ihr Essen stand immer noch fast unberührt vor ihr. Wenn ich ihr weiterhin zu viel erzählen würde, bräuchte sie eine Grundlage wenn der Schock letztlich eintrat.
Ich nannte meine Bedingungen. „Du isst, ich rede.“
Sie überschlug den Gedanken eine halbe Sekunde lang und schob sich dann hastig einen Bissen in den Mund. Die Eile strafte ihre Ruhe lügen. Sie war begieriger nach meiner Antwort als ihre Augen zugaben.
„Es ist schwerer als es sein sollte – dir zu folgen,“ erkläre ich ihr. „Normalerweise kann ich jemanden sehr schnell finden, wenn ich einmal seine Gedanken gehört habe.“
Ich beobachtete ihr Gesicht ganz genau, während ich das sagte. Richtig zu raten war eine Sache, aber es bestätigt zu bekommen eine ganz andere.
Sie regte sich nicht, ihre Augen waren geweitet. Ich spürte wie ich meine Zähne zusammen biss während ich auf ihre Panik wartete.
Aber sie blinzelte nur einmal, schluckte laut und schob sich direkt einen weiteren Bissen in den Mund. Sie wollte dass ich weitersprach.
„Ich konzentrierte mich auf Jessica,“ fuhr ich fort und beobachtete wie sie jedes Wort aufsog. „Nicht besonders aufmerksam – wie schon gesagt, nur du kannst in Port Angeles in Gefahr geraten“ ich konnte nicht wiederstehen das hinzuzufügen. War ihr bewusst, dass andere Menschen nicht ständig Todesnahe Erfahrungen machten oder dachte sie, sie seih normal? Sie war alles andere als normal, unnormaler als alles was ich bisher kannte. „Und zu erst bemerkte ich gar nicht dass du alleine losgezogen bist. Als ich bemerkte, dass du nicht mehr bei ihr warst fuhr ich zu dem Buchladen den ich in ihrem Kopf gesehen hatte. Ich wusste, dass du nicht hineingegangen bist, sondern dich nach Süden gewandt hattest… und ich wusste, dass du bald umdrehen musstest. Als hab ich einfach auf dich gewartet und die Gedanken der Passanten durchstöbert – um zu sehen ob dich irgendjemand bemerkt hatte, damit ich wusste, wo ich dich finden konnte. Ich hatte keinen Grund besorgt zu sein… aber ich war seltsam beunruhigt…“ ich atmete schneller als ich mich an das Gefühl der Panik erinnerte. Ihr Duft brannte in meinem Hals und ich war dankbar. Es war ein Schmerz der bedeutete, dass sie am Leben war. So lange ich brannte, war sie sicher.
„Ich begann im Kreis herumzufahren und zu… lauschen.“ Ich hoffte die Worte ergaben einen Sinn für sie. Das musste verwirrend sein. „Die Sonne ging langsam unter und ich war kurz davor dir zu Fuß zu folgen. Und dann…“
Als mich die Erinnerung überkam – absolut klar und deutlich, als wäre ich zu diesem Zeitpunkt zurückversetzt woren – fühlte ich die selbe mörderisch Wut in mir aufschäumen.
Ich wollte seinen Tod. Ich brauchte seinen Tod. Ich biss meine Zähne zusammen und konzentrierte mich darauf, an dem Tisch sitzen zu bleiben. Bella brauchte mich immer noch. Nur darauf kam es an.
„Was dann?“ flüsterte sie mit geweiteten Augen.
„Ich hörte was sie dachten,“ quetschte ich durch meine Zähen hervor, nicht in der Lage ein knurren zu unterdrücken. „Ich sah dein Gesicht in seinen Gedanken.“
Ich konnte dem Verlangen zu töten kaum wiederstehen. Ich wusste genau wo ich ihn finden würde. Seine dunklen Gedanken klebten am Nachthimmel und zogen mich zu ihm…
Ich bedeckte mein Gesicht, in dem Bewusstsein, dass mein Ausdruck der eines Monsters war, eines Jägers, eines Killers. Ich fixierte ihr Gesicht vor meinen geschlossenen Augen um die Kontrolle zu behalten, konzentrierte mich nur auf ihr Gesicht. Ihr zartes Knochengerüst, die dünne Hülle ihrer blassen Haut – wie Seide, gespannt über Glas, unglaublich weich und leicht zu zerbrechen. Sie war zu verletzlich für diese Welt. Sie brauchte einen Beschützer. Und, aufgrund einer verworrenen schlechten Leitung des Schicksals, war ich das Beste was zur Verfügung stand.
Ich versuchte meine heftige Reaktion zu erklären, damit sie mich verstand.
„Es war sehr… schwer – du kannst dir nicht vorstellen wie schwer – dich einfach nur fortzubringen und sie… am Leben zu lassen,“ flüsterte ich. „Ich hätte dich mit Jessica und Angela nach Hause fahren lassen können, aber ich hatte Angst, dass ich nach ihnen suchen würde, wenn du weg wärst.“
Das zweite Mal heute Nacht gestand ich einen Mord geplant zu haben. Immerhin war dieser hier vertretbar.
Sie war ruhig während ich versuchte mich zu fassen. Ich hörte ihren Herzschlag. Der Rhythmus war unregelmäßig, aber er verlangsamte sich mit der Zeit und wurde wieder stabil. Auch ihr Atem war gleichmäßig.
Ich war zu dicht an der Grenze. Ich musste sie nach Hause bringen bevor…
Würde ich ihn dann töten? Würde ich wieder zum Mörder werden nachdem sie mir vertraute? Gab es irgendeinen Weg mich aufzuhalten?
Sie hatte versprochen mir ihre neueste Theorie zu verraten wenn wir alleine waren. Wollte ich sie hören? Ich sehnte mich danach, aber würde die Befriedigung meiner Neugierde besser sein, als es nicht zu wissen?
Irgendwie musste sie genug Vertrauen für eine Nacht haben.
Ich sah sie wieder an, ihr Gesicht war blasser als vorher aber gefasst.
„Bist du fertig? Können wir nach Hause fahren?“ fragte ich.
„Ich bin fertig,“ sagte sie und wählte ihre Worte bewusst, als ob ein einfaches `Ja` nicht ausdrücken könnte, was sie sagen wollte.
Frustrierend.
Die Kellnerin kam zurück. Sie hatte Bellas letzten Satz gehört, während sie hinter der Abtrennung hin und her überlegt hatte, was sie mir noch anbieten könnte. Ich wollte meine Augen verdrehen bei den Angeboten die sie im Kopf hatte.
„Na, wie sieht’s aus?“ fragte sie mich.
„Wir hätten gern die Rechnung, danke,“ sagte ich ihr, mit dem Blick auf Bella.
Die Atmung der Kellnerin beschleunigte und sie war für einen Augenblick – um es mit Bellas Worten zu sagen – geblendet von meiner Stimme.
In einem Moment plötzlicher Erkenntnis, während ich meine Stimme im Kopf der Kellnerin hörte, bemerkte ich warum ich heute so viel Bewunderung erntete – unbeschadet von der normalen Angst.
Es war wegen Bella. Bei dem Versuch, keine Gefahr für sie zu sein, weniger gruselig zu sein, menschlich zu sein, hatte ich wirklich die Grenzen überschritten. Die anderen Menschen sahen nur noch Schönheit, da ich meinen Schrecken so sehr unter Kontrolle hielt.
Ich schaute zur Kellnerin auf und wartete bis sie sich wieder gefasst hatte. Es war irgendwie amüsant, jetzt da ich den Grund dafür kannte.
„Natürlich,“ stotterte sie. „Bitte sehr.“
Sie gab mir die Mappe mit der Rechnung und dachte an die Karte, die sie darin versteckt hatte. Eine Karte mit ihrem Namen und ihrer Telefonnummer.
Ja, es war irgendwie lustig.
Ich hatte das Geld schon bereit. Ich gab die Mappe sofort zurück damit sie nicht auf einen Anruf warten musste, der niemals kommen würde.
„Stimmt so,“ sagte ich und hoffte, dass die Menge des Trinkgeldes ihre Enttäuschung ein wenig lindern würde.
Ich stand auf und Bella folgte mir. Ich wollte ihr meine Hand anbieten, dachte aber, dass das mein Glück für heute zu sehr strapazieren würde. Ich bedankte mich bei der Kellnerin, lies Bella dabei aber kein einziges Mal aus den Augen. Bella schien sich ebenfalls über irgendetwas zu amüsieren.
Wir verließen das Restaurant; ich lief so nah neben ihr her wie ich es mir zutraute. Nah genug, dass die Wärme die ihr Körper ausstrahlte wie eine physische Berührung an meiner linken Seite war. Als ich ihr die Tür öffnete seufzte sie leise und ich fragte mich, was sie so sehr bedauerte dass es sie traurig machte. Ich schaute ihr in die Augen und wollte gerade fragen, als sie ihren Blick senkte, vor Verlegenheit. Das machte mich noch neugieriger aber auch abgeneigter zu fragen. Die Stille zwischen uns hielt auch noch an als ich ihr die Autotür aufhielt und mich dann auf den Fahrersitz setzte.
Ich schaltete die Heizung an – das warme Wetter war plötzlich vorbei; das kalte Auto musste unangenehm für sie sein. Sie kuschelte sich in meine Jacke mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.
Ich wartete und schob die Unterhaltung hinaus bis das Licht der Promenade hinter uns verblasste. Dadurch fühlte ich mich mehr allein mit ihr.
War das richtig? Jetzt da ich mich nur noch auf sie konzentrierte wirkte das Auto plötzlich sehr klein. Ihr Duft wurde von der Heizung herumgewirbelt, baute sich auf und wurde stärke. Er wuchs immer mehr an und wurde zu einem eigenen weiteren Wesen im Auto. Eine Präsenz die Anerkennung forderte.
Die hatte sie; ich brannte. Aber das Brennen war erträglich. Es wirkte seltsam richtig für mich. Ich hatte so viel gegeben heute Nacht - mehr als ich erwartet hatte. Und hier war sie, immer noch freiwillig an meiner Seite. Ich war dafür etwas schuldig. Ein Opfer. Ein brennendes Angebot.
Wenn ich es nur dabei belassen könnte; nur brennen, nichts weiter. Aber das Gift füllte meinen Mund, und meine Muskeln spannten sich in Erwartung, als würde ich jagen…
Ich musste solche Gedanken aus meinem Kopf verbannen. Und ich wusste was mich ablenken würde.
„Jetzt,“ sagte ich zur ihr und die Angst vor ihrer Antwort überschattete das Brennen. „Bist du dran.“

 
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